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Gehen, um zu bleiben

Von Christian Rösner

Politik

Christian Oxonitsch will als neuer alter SPÖ-Klubchef die Kommunikation mit den Grünen auf eine neue Ebene heben.


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Wien. Er ist der Einzige, der den Stadtsenat verlassen muss: Christian Oxonitsch wird in den nächsten Tagen den Schreibtisch des Bildungs- und Sportstadtrates räumen müssen und kehrt wieder als Obmann in den Wiener SPÖ-Klub zurück. Warum ihm das eigentlich kaum etwas ausmacht, erklärt er in einem Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

"Wiener Zeitung":Sie müssen nach fünf Jahren Bildungs- und Sportstadtrat nun das Feld räumen. Ist das für Sie nicht ein Karriere-Rückschritt? Wie geht es Ihnen damit?

Christian Oxonitsch:Mir geht es blendend. Und nein, ich sehe das nicht als Rückschritt. Ich habe für mich auch nie Karriere so definiert, dass es formal immer nach oben gehen muss. Das Entscheidende ist für mich, ob ich einen Job gerne mache und etwas veränderm kann. Ich war gerne Stadtrat, ich bin gerne Bildungspolitiker und das wird auch weiterhin ein wesentlicher Schwerpunkt in meinem Leben sein, sowie es das auch schon immer gewesen ist. Und ich war auch gerne Klubobmann.

Aber in Ihrem neuen, alten Job wird es um andere Dinge gehen.

Ich finde es reizvoll, wenn man bemerkt, dass man für viele Dinge einsetzbar ist. Und ich habe den Klubobmann für fast neun Jahre genauso gerne und enthusiastisch gemacht wie den Stadtrat. Für mich ist das jetzt nur die Bestätigung, dass ich es gut gemacht habe. Schon Helmut Schmid hat gesagt, dass in seinem bewegten Leben der Fraktionsvorsitz sicherlich der spannendste Job war. Und so sehe ich das auch.

Häupls Entscheidung, Sie aus dem Stadtsenat abzuberufen kam nicht überraschend?

Nein, eigentlich nicht. Für mich war klar, wenn man einen Stadtrat weniger hat und alles neu verteilen muss, dann denkt man darüber nach, wo man jemanden bestmöglich einsetzen kann. Wenn ich an Michael Häupls Stelle gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich genauso gehandelt. Und ohne jetzt überheblich klingen zu wollen: Als ich vom Klub ins Stadtratsbüro gewechselt bin, haben das viele sehr bedauert. Insofern freut es mich sogar, dass ich bis heute für diesen Job im Gespräch geblieben bin.

Stimmt es, dass Sie nie von sich aus eine politische Funktion angestrebt haben?

Ich bin eigentlich immer gefragt worden. Und ich habe mich auch immer darüber gefreut, wenn ich eine neue Herausforderungen bekommen habe.

Was genau wird jetzt die Herausforderung sein?

Vor neun Jahren war ich Klubobmann einer Alleinregierung, jetzt haben wir eine Koalition. Da zu meinen Stärken eine gewisse Kommunikationsfähigkeit gehört, hoffe ich, dass es mir nicht nur in der eigenen Fraktion gelingt, die Kommunikation auf eine neue Ebene zu heben, sondern auch gemeinsam mit den Grünen. Es hat ja doch Irritationen am Ende der letzten Legislaturperiode gegeben, die gezeigt haben, dass es einiges zu tun gibt

Und wo liegt die Herausforderung intern?

Es gibt jetzt ein Team im Gemeinderat, das viele neue und junge Gesichter hat. Hier wird es maßgeblich sein, diese entsprechend zu unterstützen und sie zu fördern. Kontinuierlicher Personalaufbau ist ein wesentlicher Bestandteil in der Partei.

Davon hat man aber bei der Bildung der neuen Regierung nichts bemerkt ...

Wir stehen in den kommenden Jahren vor riesigen Herausforderungen - und natürlich könnte man für einen kurzfristigen Applaus ein neues Team vorstellen. Was aber hier die wenigsten sehen, ist, dass es dabei immer zu einem kurzzeitigen Stillstand kommt. Denn selbst ich, der das Rathaus in- und auswendig kennt, habe ein paar Monate gebraucht, um mich als Stadtrat einzuarbeiten. Natürlich wäre jetzt ein großer Wechsel möglich gewesen. Wir hätten einige, die das Potenzial dafür haben. Aus Sicht der Öffentlichkeit wäre es vielleicht ein guter Zeitpunkt gewesen, um so etwas zu tun. Aber angesichts der momentanen inhaltlichen und arbeitstechnischen Herausforderungen in der nahen Zukunft wäre es mit Sicherheit der falsche Zeitpunkt gewesen.

Warum wird dann aber ausgerechnet das Bildungsressort aufgelöst und aufgeteilt, wo doch die Bildung immer als Voraussetzung für eine funktionierenden Arbeitsmarkt propagiert wird?

Die Interpretation, dass das Bildungsressort aufgeteilt wird oder dass Sandra Frauenberger das Bildungsressort dazubekommt, ist grundlegend falsch. Tatsache ist, dass Sandra Frauenberger ins Bildungsressort wechselt. Tatsache ist, dass es in der Stadt drei Magistratsabteilungen gibt, die mit der Bildung zu tun haben, und die bleiben komplett beisammen. Einen Wechsel gibt es nur beim Bürgerdienst, der zu Ulli Sima kommt, beim Sport, der zu Andreas Mailath Pokorny wandert und bei den Bädern, die Sandra Frauenberger bekommt. Und alle drei haben nichts mit Bildung zu tun. Es ist also mein Ressort aufgeteilt worden und nicht die Bildung.

Sie gelten als Förderer des neuen Stadtschulratspräsidenten Jürgen Czernohorszky, der nun nach 14 Jahren Susanne Brandsteidl ablösen soll. Was sind Ihrer Meinung nach seine Stärken?

Seine Stärken sind vor allem Motivations- und Begeisterungsfähigkeit. Er ist kommunikativ und sprühend vor Ideen und Kreativität. Also Dinge, die auch Lehrerinnen und Lehrer, Pädagoginnen und Pädagogen haben und in ihrer Arbeit brauchen. Denn unabhängig von Diskussionen über die Veränderung der Lehrerausbildung haben wir unglaublich engagierte Lehrerinnen und Lehrer - und dafür glaube ich, ist Jürgen Czernohorszky ein super Transmissionsriemen, um die Leute für etwas Neues zu begeistern und mitzunehmen.



Zur Person:
Der designierte SPÖ-Klubobmann Christian Oxonitsch hat sich emsig an die Spitze gearbeitet - von der Bezirkspolitik über den Klubchef zum Stadtrat. Nun muss der 53-Jährige seinen Ressortchefposten wieder räumen. Der als äußerst konsensual geltende Oxonitsch war acht Jahre Klubchef der Roten, bevor er 2009 die Jugend-, Bildungs- und Sportagenden der nach dem Pratervorplatzdebakel zurückgetretenen Grete Laska übernahm.

Viel Arbeit bescherte ihm dabei das Stadthallenbad: Das Becken hätte nach der Sanierung 2011 wiedereröffnet werden sollen. Jahre später war die Sportstätte immer noch eine Baustelle. Die Generalsanierung geriet nicht zuletzt wegen undichter Becken zum veritablen Debakel und führte zu einem gerichtlichen Nachspiel mit einem Streitwert in Millionenhöhe. 2014 wurde das Bad schließlich eröffnet.

Im Herbst 2011 gab es eine andere Bewährungsprobe für den Stadtrat - nämlich als die Missbrauchsvorwürfe im einstigen Kinderheim am Wilhelminenberg große Wogen schlugen. Oxonitsch meisterte diese Herausforderung laut Beobachtern durchaus souverän. Er richtete eine unabhängige Kommission ein, um die Vorkommnisse zu prüfen. Weiters versprach er rasche Aufklärung - was auch geschah.

Immer wieder in die Kritik geriet der für den Presse- und Informationsdienst (PID) zuständige Ressortchef hingegen für die Werbeausgaben der Stadt. So hat das Land Wien inklusive der ihr nahestehenden Firmen und Unternehmen 2014 laut Medienbehörde rund 40 Millionen Euro ausgegeben und zählte damit zu den größten Einzelwerbern nach dem Medientransparenzgesetz.

Eine wichtige Rolle kam Oxonitsch auch in diesem Frühjahr zu, als in Wien das Song-Contest-Finale ausgetragen wurde. Er diente als Ansprechpartner der Stadt bei diesem Großevent.

Geboren wurde Oxonitsch am 21. Dezember 1961 im 16. Bezirk. Die Laufbahn begann bereits im Klassenzimmer, als er in der AHS Maroltingergasse zum Schulsprecher gewählt wurde. Nach einigen Semestern Geschichte und Germanistik war er als pädagogischer Mitarbeiter bei den Kinderfreunden tätig, bevor er 1986 Chef der Roten Falken wurde.

Fünf Jahre später wurde Oxonitsch in die Bezirksvertretung von Ottakring gewählt, von 1992 bis 1997 war er Sekretär der dortigen SPÖ. Seit 1997 steht er als Vorsitzender an der Spitze der Bezirksgruppe. Der Wechsel in den Landtag bzw. Gemeinderat erfolgte im Jänner 1996, wo er sich schwerpunktmäßig mit den Bereichen Planung und Wohnbau beschäftigte.

Am 20. April 2001 wurde er schließlich SP-Klubchef. Danach galt er lange Zeit als Stadtratskandidat, wobei die Hochzeit mit SP-Umweltstadträtin Ulli Sima Gerüchte nährte, dass er deswegen nie zum Zug kam. Als Oxonitsch 2009 Stadtrat wurde, war die Ehe mit Sima bereits geschieden.