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Geht "der Willi" zum Friseur?

Von Walter Hämmerle

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Wilhelm Molterer kann sich derzeit vor guten Ratschlägen kaum retten. Manche wollen gar an sein bestes Stück.


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Euphorie klingt anders. Von einem Ruck, der durch die Reihen der Funktionäre geht, keine Spur. Der Neuwahlbeschluss lässt bis dato die Basis, die Seele jeder Partei, kalt. Wenn sie nicht sogar angfressen ist auf "die da oben". Wohlgemerkt: Die Rede ist nicht vom vereinigten Stammtisch aller Politikverdrossenen, sondern von SPÖ und ÖVP.

Der Frust ist vor allem in der Volkspartei weit verbreitet. Vielen fehlt hier der Glaube an eine bessere Alternative: Wozu Neuwahlen, wenn letztlich ohnehin nur wieder eine große Koalition, allenfalls mit geänderten Vorzeichen, herauskomme? Da schwingt auch ein gerüttelt Maß an Zweifeln am eigenen Spitzenkandidaten mit. Dabei spricht niemand Wilhelm Molterer die notwendige Sachkenntnis, Erfahrung und den Fleiß für den Kanzler-Job ab - allein Strahlkraft wird vermisst.

In solchen Zeiten fehlt es naturgemäß nicht an gut gemeinten Ratschlägen wohlmeinender Hobby-Strategen in den schwarzen Reihen: "Der Willi" solle sich doch, so lautet einer von diesen, als Überraschungscoup zum Höhepunkt des Wahlkampfs den Bart abrasieren. Ein Foto auf sämtlichen Titelseiten des Landes wäre ihm damit gewiss . . .

Einen ähnlich Coup landete schon Wolfgang Schüssel, als er sich quasi über Nacht vom einst als Markenzeichen inszenierten Mascherl getrennt hatte. Solche symbolischen Trennungen können aber auch nach hinten losgehen: So war etwa die fein inszenierte Schnauzer-ab-Aktion von Sozialminister Erwin Buchinger rasch verpufft. Geholfen hat sie ihm im Rückblick auch relativ wenig: Zu schnell war sie als PR-Gag entlarvt.

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Nicht nur unter roten und schwarzen Funktionären ist der Frust über den kommenden Wahlkampf groß, auch unter den Mitarbeitern der insgesamt 2357 Gemeinden hält sich die Freude in überschaubaren Grenzen, berichtet Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer.

Da wären zum einen einmal die Kosten für die Nationalratswahl von 15 Millionen Euro. Zwei Drittel davon müssen die Gemeinden selbst tragen, erstattet der Bund doch lediglich 5 Millionen Euro retour.

Und dann ist da noch "eine Wahlordnung aus den Fünfziger Jahren", wie Mödlhammer despektierlich meint. Diese zwingt die Gemeinden, die Wählerverzeichnisse auf den Gemeindeämtern aufzulegen, statt diese einfach via Internet der Öffentlichkeit zur Einsicht zur Verfügung zu stellen. Doch dazu fehlt eine gesetzliche Regelung, weshalb nun die Wählerverzeichnisse eben mitten in der Haupturlaubszeit - von 19. bis 29. August - aufliegen.

Mödlhammer hat als Präsident aller Bürgermeister noch eine klare Botschaft an "die da oben": "Der kommende Winter, das sagen alle, die ihr Ohr bei den Bürgern haben, wird angesichts der absehbaren weiteren Teuerungsschübe bei Öl und Gas zum riesigen Problem."

Sein Lösungsvorschlag klingt bestechend einfach - und für einen ÖVP-Politiker erstaunlich SPÖ-affin: die sprudelnden Gewinne der OMV anzapfen. Die sei zwar börsenotiert, aber immerhin noch mehrheitlich im Besitz des Bundes.