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Gelassenheit in Südafrika: Jacob Zuma versucht sich als Brückenbauer

Von AnalyseRalf E. Krüger

Analysen

(dpa) Südafrikas neuer Hoffnungsträger will sich profilieren. Zum Abschluss des 52. Parteitags von Südafrikas Regierungspartei ANC machte deren neuer Vorsitzender Jacob Zuma klar, dass er die Schwächen seines Vorgängers Thabo Mbeki zu nutzen wisse.


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Genau dort, wo Mbekis Kritiker seit Jahren aufstöhnen, will er den Afrikanischen Nationalkongress (ANC) künftig in vorderster Front sehen: Bei der Bekämpfung der beiden Geißeln Kriminalität und Aids. Sie gehörten zu den drängendsten Problemen der Gesellschaft. "Es ist eine konterrevolutionäre Kraft, die eliminiert werden muss!", sagte er mit Blick auf die Kriminalität unter dem Beifall der Menge.

Aids-Aktivisten, die seit Jahren immer wieder gegen die mitunter bizarre Regierungspolitik Sturm laufen, dürften ebenfalls die Ohren geklungen haben. Die Bekämpfung der Aids-Epidemie könne nicht den Hilfsorganisationen allein überlassen werden, der Staat sei stärker gefordert, meinte Zuma.

Unerhörte Worte in einem Land, in dem die Gesundheitsministerin Knoblauch, Olivenöl und Rote Rüben als erfolgreiche Mittel gegen die Immunschwächekrankheit propagiert. Zuma, dessen moralische Integrität durch seine Skandale stark gelitten hat, hat in seiner ersten öffentlichen Rede als ANC-Parteichef Terrain gutzumachen versucht. Die Wirtschaft zeigte sich gelassen angesichts seiner neuen Führungsrolle. Weder gab es Einbrüche der Landeswährung noch Kursabstürze an der Johannesburger Börse.

Sogar die internationalen Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit bewerten, signalisierten Gelassenheit, aber zugleich Aufmerksamkeit. "In gewisser Weise hätte Mbeki keine besseren Bedingungen für seinen Nachfolger in Partei und Staat hinterlassen können. Seine Bilanz bei den Kapiteln Gesundheit, Gewalt, Simbabwe, Arbeit, seine Unfähigkeit zu einem warmherzigen Verhältnis mit einfachen Leuten ist so etwas von enttäuschend", meinte die Wirtschaftszeitung "Business Day" am Donnerstag.

Zuma, der in vielem die Verkörperung aller europäischen Klischee-Vorstellungen eines afrikanischen Politikers darstellt, zeigte sich gleich zu Beginn als geschickter Taktierer. Gespräche mit Botschaftern und Investoren sollten Ängste und Sorgen dämpfen, Kontakte zu Mbeki und seinen Anhängern Vertrauen schaffen. Er plane nicht, die restliche Amtszeit von Mbeki (65) zu belasten, der in einer Kampfabstimmung unterlegen war.

Und nach dem tumultartigen Auftakt des Parteitags gab er sich zum Schluss als der große Versöhner: "Diese Konferenz war keine Konferenz der Gewinner und Verlierer, sondern des ANC. (. . .) Der ANC hat gewonnen!" Polokwane habe historische und weitreichende Bedeutung. Das Treffen sei ein historischer Wendepunkt gewesen und habe die alte ANC-Philosophie wiederhergestellt, wonach die Parteibasis wichtigste Kraft sei. Seite 7