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Geld fließt zum Schwarzen Meer

Von Sissi Eigruber

Wirtschaft

Die Saat in den Nahmärkten Zentral- und Osteuropas wurde gesät und in den meisten Fällen ist sie auch schon aufgegangen, nun leiten die Investoren ihre Geldströme zunehmend nach Südosteuropa* um. Ende 2004 ist das gesamte Investitionsvolumen in der Region auf fast 41 Mrd. Euro angestiegen und hat sich damit innerhalb der vergangenen vier Jahre nahezu vervierfacht, berichtet die BA-CA in ihrem jüngsten Bericht.


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Dabei waren die EU-Beitrittskandidaten Rumänien und Bulgarien innerhalb der Region die bevorzugten Länder für Investoren. "Absoluter Spitzenreiter war im Vorjahr Rumänien, das 50% der Foreign Direct Investments (FDI) nach Südosteuropa absorbierte", erklärt Marianne Kager, Chefvolkswirtin der Bank Austria-Creditanstalt (BA-CA).

Auch in den nächsten Jahren hohe Investitionen

Ein großer Brocken kam dabei im Jahr 2004 von der österreichischen OMV, die im Zuge der Privatisierungen in Rumänien das Gas- und Ölunternehmen Petrom gekauft hat. Die Übernahme der Petrom werde eine Sogwirkung auf andere österreichische Investoren ausüben, ist Thomas Gabriel vom österreichischen Strategie- und Controlling-Berater Contrast Management-Consulting überzeugt. Ein wichtiger Indikator für die Fortsetzung des Investitionsbooms sei auch der Immobilienmarkt. "Momentan steigen die Immobilienpreise um 3 bis 5% pro Woche", schätzt Gabriel. Auch BA-CA-Analyst Sandor Gardo meint, dass weiterhin massive Investments nach Rumänien und Bulgarien fließen werden. So würden zum einen noch Privatisierungen bzw. die Geldflüsse aus bereits abgeschlossenen Privatisierungen von großen Unternehmen ausstehen, wie etwa im Energiebereich (u.a. Electrica Banat), sowie im Telekom- und Bankensektor (BCR, CEC). In Bulgarien stünden zudem noch große Unternehmen aus dem Luft- und Schifffahrtssektor zum Verkauf, so Gardo. Weiters sollte die Bulgartabak nach langem hin und her unter die Haube gebracht werden - "oder zumindestens vier bis fünf Teilgesellschaften davon".

Im vergangenen Jahr flossen 4 Mrd. FDI nach Rumänien und 1,6 Mrd. Euro nach Bulgarien. Für die nächsten zwei Jahre rechnet Gardo mit einer ähnlichen Größenordnung. Dabei würden neben dem Kauf von zur Privatisierung stehender Unternehmen auch Greefield-Investments (also Neugründungen) zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ausschlaggebend dafür sei das Upgrading der Länder durch verschiedener Ratingagentur sowie die Aussicht auf einen EU-Beitritt der beiden Länder im Jahr 2007.

Eine Aussicht, mit der auch Kroatien schon heftig spekuliert hat, nun von der EU aber wieder auf die Wartebank verwiesen wurde. Wegen angeblicher "mangelnder Zusammenarbeit der kroatischen Regierung mit dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag", wurde der Start der Beitrittsverhandlungen vom 17. März 2005 auf unbestimmte Zeit verschoben. Diese Verzögerung wird die Investoren kaum abschrecken, ist BA-CA-Analyst Walter Pudschedl überzeugt, zudem werde angenommen, dass sie nicht allzu lang dauern wird.

Schon bisher hat Kroatien auf Investoren eine besondere Anziehungskraft ausgeübt: Während die FDI in Südosteuropa Ende 2004 bei durchschnittlich 800 Euro pro Kopf lagen, waren es in Kroatien 2.300 Euro - ein Wert der über dem Durchschnittswert der acht neuen EU-Mitglieder aus Zentral- und Osteuropa liegt, die 2.200 Euro pro Kopf verzeichneten. "Kroatien hat einfach früher mit der Privatisierung begonnen", erklärt Pudschedl die Anhäufung an ausländischen Investitionen.

Für die nächsten beiden Jahre rechnet Pudschedl mit jeweils 1 Mrd. Euro FDI. Die Privatisierung staatlicher Unternehmen sei weitgehend abgeschlossen. An großen Unternehmen fehlten nur noch die vollständige Übernahme der Ölgesellschaft INA durch die ungarische MOL, der Verkauf der Elektrizitätsgesellschaft MEP und einige schwer defizitäre Schiffswerften. Zudem gebe es aber auch noch zahlreich Hotels an der Küste zu erwerben.

*lt.BA-CA-Studie: Rumänien, Bulgarien, Albanien, Mazedonien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro, Kroatien