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Geld, Macht - und Hinterbänkler

Von Katharina Schmidt

Analysen

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Ja, er hat sicher einiges an Potenzial. Denn Frank Stronach verfügt nicht nur ganz eindeutig über den unbedingten Willen, seine politische Meinung unter die Leute zu bringen. Er hat auch noch das nötige Kleingeld, um dies effizient zu tun - effizienter womöglich als die etablierten Parteien, die sich der Wahlkampfkostenbeschränkung unterworfen haben.

Und mit dem Geld kommt die Anziehungskraft - vor allem auf die Unzufriedenen. So nimmt es denn kaum wunder, dass die Namen, die derzeit durch den Blätterwald geraunt werden, allesamt Politiker betreffen, die sich von ihren eigenen Parteien vernachlässigt fühlen. Beispielsweise ist es ein offenes Geheimnis, dass BZÖ-Chef Josef Bucher sein Bündnis zur neuen liberalen Kraft im Land hochstilisieren will und dass ihm dabei gewisse Altlasten aus der alten FPÖ-Zeit im Weg stehen. Dass Peter Westenthaler, der einst selbst bei Stronachs Magna untergekommen ist, im BZÖ keine glanzvolle Karriere mehr erwartet, ist klar. Warum er wider Erwarten nicht an Stronach andocken konnte, bleibt aber vorerst ein Mysterium. Ein weiterer potenzieller Überläufer aus den Reihen des BZÖ ist der steirische Landesparteichef Gerald Grosz. Ihm wurden schon einmal Spaltungstendenzen nachgesagt, zudem täte er sich politisch sicher leicht, an die teils radikalen Ansichten Stronachs anzudocken - Stichwort: Austritt Österreichs aus der Eurozone.

Nicht fehlen dürfen im Namenkarussell die Ex-BZÖler und nun freien Mandatare Erich Tadler und Robert Lugar. Sie zählen ebenso zu den enttäuschten Hinterbänklern wie Gerhard Köfer. Der Bürgermeister von Spittal an der Drau hat sich schon des Öfteren mit seiner Mutterpartei SPÖ angelegt - zuletzt hat er als Einziger die Zustimmung zum Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM verweigert. Nun wechselt er als Erster zur Stronach-Partei.

Auch Ex-ÖVP-Bauernbundchef Fritz Grillitsch zählt eher zu den verstoßenen Parteigängern. Er hält der Volkspartei aber nach wie vor die Stange. Grillitsch wäre zumindest ein bekannteres Gesicht für Stronach. Denn so viel ist auch klar: Gerade die unwiderstehliche Anziehungskraft, die seine wirtschaftliche Macht ausstrahlt, könnte zum Problem für den Industriellen werden. Denn damit droht er zum Auffangbecken für gestrandete Hinterbänkler zu werden. Die echten Polit-Profis, die als Zugpferde fungieren könnten, sind spätestens seit dem missglückten Auftritt in der "ZiB2" skeptisch geworden.