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Generöse Angebote von VP-Granden

Von Brigitte Pechar

Politik

Hirschmann: Angebote und Drohungen von VP-Granden. | Keine zusätzliche Abfertigung. | Graz. Der Steirische Wahlkampf erhält neue Munition. Nach den Wirren um die Rennstrecke Spielberg und den Förderfall Herberstein, fährt nun der frühere ÖVP-Landesrat und nunmehrige Wahlkämpfer, ÖVP-Mitglied Gerhard Hirschmann schwere Geschütze gegen seine einstigen Parteifreunde im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" auf.


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"Dutzende ÖVP-Granden", hätten im Mai und April dieses Jahres "mit unterschiedlichen Methoden" versucht, ihm von einer Kandidatur abzuraten. "Die Palette reichte von wüsten Bedrohungen bis zu verlockenden Angeboten." So seien ihm von einem ehemaligen ÖVP-Spitzenfunktionär Aufträge für seine Agentur im Wert von 300.000 Euro pro Jahr für die folgende Legislaturtperiode angeboten worden.

Politologe Peter Ulram hält das für glaubwürdig. Es könnte durchaus sein, dass ehemalige Parteikollegen Aufträge für Hirschmanns Beratungsfirma zugesichert hätten, um eine Kandidatur zu verhindern.

291.000 Euro Abgeltung für Anwalts und Verfahrenskosten

Warum, fragt man sich aber, erhält ein Ex-Manager eine Abfertigung zusätzlich zu einer Abfertigung des Unternehmens, aus dem er gefeuert wurde? "News" hatte berichtet, dass Hirschmann Geldflüsse aus "ÖVP-nahen Kreisen" von 291.000 Euro zusätzlich zur Abfertigung der EStAG von 747.299 Euro erhalten haben soll. Das sei die Abfindung dafür gewesen, dass er seine Klage gegen die EStAG auf Wiedereinstellung zurückgezogen habe und sei für "angefallene Anwaltskosten und Verfahrenskosten" gewesen, betonte Hirschmann im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Ich habe davon keinen Groschen erhalten." Dass das Geld nicht von der EStAG gekommen sei, habe er selbst erst in den letzten Tagen erfahren. 291.000 Euro für Anwalts- und Verfahrenskosten? Nicht nur, sagt Hirschmann, es hätten ja auch Gutachten erstellt werden müssen.

Auch seine frühere Chefin, Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, weiß nichts von einer Abfertigung aus "ÖVP-nahen Kreisen". Zahlungen aus der Parteikasse schloss sie am Donnerstag aus. Sollte es zu Zahlungen von Privatpersonen gekommen sein, könne dies nur von Hirschmann selbst offen gelegt werden: "Er soll Namen nennen, ich kann nicht jeder Vermutung nachgehen." Dass die "Spender" ihrem Ex-Landesrat nicht bekannt seien, glaubt sie nicht: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand einen Betrag annimmt, von dem er nicht weiß, woher er kommt."

Ungeachtet dessen fordern - wie schon bei Herberstein - die übrigen Parteien den Rücktritt Klasnics. SPÖ-Soziallandesrat Kurt Flecker sprach von einer "Skandalchronik der steirischen ÖVP". FPÖ-LHStv. Leo Schöggl zeigte sich fassungslos über die Steirer-VP und Hirschmann. Für die Grünen ist es enthüllend, wie die ÖVP mit Geld Politik macht. Und auch das BZÖ verlangt Konsequenzen.

Analyse:Die Entzauberung Hirschmanns