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Gentechnik gegen Schlangengift

Von Georg Breuer

Wissen

In vielen tropischen Ländern sterben noch immer alljährlich Tausende Menschen an den Folgen von Schlangenbissen, allein in Indien, wo Schlangen wichtige Nutztiere gegen Nager sind, liegt die Zahl bei mehr als 30.000.


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Die herkömmliche Produktion von Gegenmitteln ist mühsam und teuer. Man spritzt Tieren, in der Regel Pferden, nach und nach größer werdende Dosen des Giftes ein. Im Serum der Tiere bilden sich dann Antikörper gegen das Gift, die man extrahieren kann. Bei der Anwendung gibt es jedoch oft unangenehme Nebenwirkungen.

Rob Harrison und Mitarbeiter von der Schule für tropische Medizin in Liverpool, Großbritannien, versuchen nun, eine gentechnische Methode zur Herstellung von Gegengiften zu entwickeln. Eingespritzt wird nicht das Gift selbst, sondern das Gen (also die DNA), das für die Herstellung des Giftstoffs zuständig ist. In ersten Versuchen an Mäusen konnte festgestellt werden, dass auch damit die Produktion von Antikörpern ausgelöst werden kann.

Nun sollen genetisch veränderte Mäuse verwendet werden, die die gleichen Antikörper wie Menschen produzieren. Dadurch hofft man, das Risiko von Nebenwirkungen deutlich verringern zu können. Die die Antikörper produzierenden Zellen des Immunsystems sollen dann mit "unsterblichen" Stammzellen gekreuzt werden.

So erhält man Zellkulturen, die man im Labor unbegrenzt weiter züchten kann, ohne dass man ständig neue Tiere für die Herstellung der Antikörper benötigt. Nach dieser Methode soll zunächst ein Gegengift gegen das Gift von Vipern der Gattung Echis hergestellt werden, die für die meisten Todesfälle durch Schlangenbisse verantwortlich sind.