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George Bush besucht Lateinamerika als Manager und nicht als Missionar

Von Alexander U. Mathé

Analysen

Natürlich gibt es in Washington latent Sorgen über einen möglichen Einflussverlust in Südamerika. Dort hat sich in den letzten zwei Jahren ein Land nach dem anderen eine linke Regierung gegönnt und von den USA losgesagt. Hinzu kommt, dass sich Washingtons allerbester Feind auf dem Subkontinent, Venezuela, langsam aber sicher zur Regionalmacht gemausert hat.


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George W. Bushs Reise durch Lateinamerika dürfte nichtsdestoweniger mehr von wirtschaftlichem Pragmatismus zeugen, als dass er versucht, wie weitgehend vermutet, die besuchten Länder auf Linie zu bringen. Denn der US-Präsident besucht ausschließlich Staaten, deren Freundschaft er ohnedies sicher ist.

Wer aber annimmt, dass die versprochenen 385 Millionen Dollar Entwicklungshilfe ein Fingerzeig an jene sein soll, die die Nähe der USA verschmähen, ist wohl auch auf dem Holzweg. Denn bei näherer Betrachtung entspricht dieser Betrag eher einem Gastgeschenk, denn einer symbolträchtigen Belohnung. Schließlich kostet allein der Krieg im Irak die USA Schätzungen zufolge 200 Millionen Dollar am Tag.

Hintergedanke bei der Reise dürfte vielmehr Bushs ewiger Traum von einer ganz Amerika umspannenden Freihandelszone sein, der Free Trade Area of the Americas (FTAA). Dafür spricht allein der Besuch in Uruguay. Dort regiert zwar zum ersten Mal in der Geschichte der Orientalischen Republik die Linke; Präsident Tabaré Vázquez ist jedoch einer der wenigen, die die FTAA-Idee bedingungslos unterstützen. In Kolumbien, Guatemala und Mexiko sind ohnedies konservative Präsidenten an der Macht, die sich durch ausgeprägte Freundlichkeit gegenüber den USA auszeichnen. Mit diesen Ländern dürfte Bush nun sein Vorgehen abstimmen. Während andere wie Bolivien und Venezuela versuchen, die Pläne der USA aus Furcht vor einer Re-Kolonialisierung zu boykottieren.

Nur in Brasilien ist die Angelegenheit nicht so klar. Dies vor allem deshalb, weil Präsident Luiz Inácio Lula da Silva geschickt zwischen den Fronten navigiert. Auf der einen Seite unterhält er durchaus fruchtbare Beziehungen zu Venezuelas Präsident Hugo Chávez und untergräbt wirtschaftliche Bemühungen der USA.

Andererseits hat Lula bereits erklärt, gar kein Linker mehr zu sein und hält an einer antiinflationären Stabilitätspolitik und der Begleichung der Auslandsschulden fest. Zugleich betont Brasiliens Außenminister, dass die Beziehungen zu den USA "intim" seien. Das macht aus dem südamerikanischen Land einen berechenbaren Partner für die USA, die in das Land die Hoffnung setzen, zumindest einen ausgleichenden Einfluss gegenüber Venezuela zu haben.

Dennoch ist so eine Reise natürlich auch eine gute Gelegenheit für den US-Präsidenten, eine politische Botschaft an den Mann zu bringen. Diese lautet dem Lateinamerika-Experten Russell Crandall zufolge: "Egal, was Hugo Chávez über uns sagt, wir sind nicht die Bösen."