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Gerichtsurteil bringt AUA in Bredouille

Von Karl Leban

Wirtschaft

Nach Spruch des Europäischen Gerichtshofes drohen Fluglinie millionenschwere Nachzahlungen.


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Wien. Seit Donnerstag hat es der AUA-Vorstand schwarz auf weiß: Der von ihm vor gut zwei Jahren gekündigte Kollektivvertrag (KV) für das AUA-Bordpersonal wirkt auch bei einem Betriebsübergang nach. Zu diesem Urteil ist der Europäische Gerichtshof nun, nach mehr als einem Jahr, gelangt. Allerdings nicht unerwartet - denn schon im Juni hatte der Generalanwalt den Richtern diese Rechtsposition empfohlen.

Für das AUA-Management ist der jetzige Spruch, dem in dieser Form auch der Oberste Gerichtshof als Letztinstanz in Österreich folgen wird, eine schwere Niederlage im Dauerstreit mit den Piloten und Flugbegleitern. Der Airline drohen jetzt saftige Nachzahlungen, die dem Vernehmen nach bis zu 100 Millionen Euro, aber auch mehr ausmachen könnten. Konkursgefahr bestehe aber nicht, betonte ein AUA-Sprecher.

Der Streit selbst hat eine lange Vorgeschichte: Im Frühjahr 2012 war die rot-weiß-rote Airline akut von der Pleite bedroht. Jaan Albrecht, der im Vorstand gerade erst den Chefposten angetreten hatte, schnürte damals ein drastisches Sparpaket. Kernpunkt dabei war ein Betriebsübergang, mit dem der gesamte Flugbetrieb der AUA zur kostengünstigeren Tochter Tyrolean transferiert wurde. Ab Mitte 2012 war das AUA-Bordpersonal durch den Tyrolean-KV dann finanziell und auch dienstrechtlich schlechtergestellt als in seinem alten KV, den der Vorstand zuvor gekündigt hatte.

Rund um die komplexe Causa ist seither eine Vielzahl von Klagen der Belegschaftsvertreter anhängig. Darunter auch, ob der Betriebsübergang zur Tyrolean überhaupt rechtens war (in erster Instanz wurde er für nichtig erklärt).

Außergerichtliche Einigung?

Das Urteil der europäischen Richter hat dem AUA-Bordpersonal jedenfalls den Rücken gestärkt. Mit dem Spruch ist für die Gewerkschaft auch klar ersichtlich, dass der Tyrolean-KV - den wiederum sie 2012 gekündigt hatte - für die zwangsübersiedelten Piloten und Flugbegleiter nicht nachwirkt.

"Wir haben immer vor einem Bauchfleck gewarnt", betonten der Vida-Vorsitzende Gottfried Winkler und Bordbetriebsratschef Karl Minhard am Donnerstag in einer Aussendung. Nun sei eingetreten, wovor man Konzernchef Albrecht schon vor mehr als zwei Jahren gewarnt habe. Dennoch sprachen sich die beiden Arbeitnehmervertreter dafür aus, die "Turbulenzen" am Verhandlungstisch zu lösen. An einer außergerichtlichen Einigung ist auch das AUA-Management interessiert. "Wir konzentrieren uns auf eine Verhandlungslösung", hieß es dort.

Im Fokus steht ein Konzern-KV. Um den wird jedoch schon seit einem Jahr gerungen, und die Positionen liegen noch weit auseinander. Sollten die Gespräche scheitern, werde der Vorstand einen Plan B ausarbeiten, ließ die AUA wissen, ohne konkret zu werden. Es liegt aber auf der Hand, dass es dann aus Kostengründen wohl um eine Redimensionierung (auch um Jobabbau) ginge.

Noch kurz zu einer Personalie: Per 1. Oktober zieht Andreas Otto (51) in den AUA-Vorstand ein. Er kommt von der Lufthansa und beerbt Karsten Benz (50) als Vertriebsvorstand.