)
Die Niederlage der Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas im Gaza-Streifen hat offensichtlich in Jerusalem und in Washington alle Alarmglocken in Bewegung gesetzt. Israels Regierung und US-Präsident George W. Bush setzen nun all ihre Hoffnungen in Abbas und unternehmen alles, um ihm gegenüber den radikalen Kräften im palästinensischen Lager den Rücken zu stärken.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 19 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Demnächst will Jerusalem 250 - von rund 9000 - in israelischen Gefängnissen inhaftierten Palästinensern freilassen. Die überwiegende Mehrheit von ihnen gehört zur Fatah. Unter den Freizulassenden ist auch Abdel Rahim Malouh, ein enger Vertrauter des Palästinenserpräsidenten, der vor vier Jahren wegen Angriffen auf jüdische Siedler festgenommen worden war. Das israelische Kabinett hat am vergangenen Wochenende auch die Verfolgung von weiteren 189 Fatah-Kämpfern eingestellt, die sich im Gegenzug dazu verpflichteten, auf Terror gegen Israel zu verzichten.
Nun rief auch US-Präsident George W. Bush arabische Länder zur Unterstützung von Abbas auf. Bush, in dessen Agenda unmittelbar nach dem Amtsantritt im Jänner 2001 das Palästinenser-Thema keine Priorität hatte, wirbt für eine Nahostkonferenz im kommenden Herbst. Gleichzeitig stockt er die Hilfe für die Palästinenser von 190 auf 270 Millionen Dollar auf. In dieser Konferenz soll die Zwei-Staaten-Lösung vorangetrieben werden, die seit Jahren im Raum steht, aber in den fruchtlosen Verhandlungen immer wieder hin-ausgeschoben wurde. Hätten Abbas oder sein Vorgänger Jasser Arafat in dieser Frage Fortschritte erzielt, wäre es der radikal-islamischen Hamas vermutlich viel schwerer gefallen, die Bewohner in den Flüchtlingslagern mit ihren politischen Botschaften zu ködern. Erst die Hoffnungslosigkeit hat die Massen in die Arme der Radikalen getrieben - gemeinsam mit der weit verbreiteten Korruption in Fatah-Kreisen.
Mahmoud Abbas und seine Fatah wandeln auf einem schmalen Grat. Sie müssen die Palästinenser im Gaza-Streifen überzeugen, dass sie es besser machen als die Hamas-Regierung, die in den letzten eineinhalb Jahren nichts außer einer totalen Isolierung der Palästinenser zustande gebracht hat. Abbas darf aber auch nicht den Eindruck erwecken, dass er nur vom Westen abhängig ist.
Dem möchte Bush offensichtlich mit seiner geplanten Nahostkonferenz entgegenwirken und gemäßigte arabische Staaten, wie Jordanien und Ägypten, aber auch Saudiarabien mit an Bord holen.
Nur wenn es zu einer von einer breiten Front mitgetragenen Lösung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern kommt, besteht eine Chance, dass sich die gemäßigten Kräfte durchsetzen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Gefangenenfreilassungen und Wirtschaftshilfe können da nur ein Anfang sein.
)
)
)
)