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Gespanntes Warten auf die Worte des Heiligen Vaters

Von Mathias Ziegler

Politik

Beim Fest mit dem Papst ist kein Platz für heiße Eisen. | Schönborn: "Es ist eine Pilgerwallfahrt, kein Pastoralbesuch." | Wien. Wenn der Heilige Vater heute, Freitag, Punkt 11.15 Uhr (so sieht es das penibel abgestimmte Protokoll vor) auf dem Flughafen Wien-Schwechat ankommt, wird er wohl einen Schirm brauchen. Man kann aber davon ausgehen, dass Benedikt XVI. für das Regenwetter, das seinen Besuch in Wien zumindest am heutigen Freitag überschattet, bestens gerüstet ist.


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Überschattet wird die Visite des Papstes aber auch von aktuellen Fragen, die die Kirche - nicht nur in Österreich - bewegen: Fälle von Pädophilie, die strikte Ablehnung der Homosexualität und verheiratete Priester sind da nur drei von vielen Themen. Dafür sei aber in den kommenden drei Tagen kein Platz, mahnte Wiens Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn am Donnerstag: "Es ist ein Fest, bei dem keine heißen Eisen diskutiert werden sollen."

Als ehemaliger Schüler von Benedikt XVI. - damals noch Kardinal Joseph Ratzinger - dürfe er aber sagen: "Er war nie argumentationsfeindlich." Eine große Stärke des jetzigen Papstes sei immer das Zuhören und Diskutieren gewesen. Beim jetzigen Besuch handle es sich allerdings nicht um einen Pastoralbesuch, unterstrich Schönborn, sondern um "eine Pilgerwallfahrt". Damit sei auch die Architektur des Besuches eine ganz andere. "Im Mittelpunkt steht das Gebet."

Vermutlich auch einige politische Statements

Denn vor allem zum Beten komme der "Pilger unter Pilgern" nach Wien zum Platz Am Hof und in den Stephansdom, nach Mariazell sowie nach Heiligenkreuz. Völlig unpolitisch dürfte es dennoch nicht zugehen. Was genau der Heilige Vater den Österreichern und der Welt zu sagen hat, weiß der Kardinal zwar noch nicht. "Es wird aber wohl um drei wichtige Themen gehen: Zunächst ist das Gedenken an die Opfer der Shoa auf dem Wiener Judenplatz am Freitag eine stille Botschaft."

Außerdem werde Benedikt XVI. bei der Sonntagsmesse im Wiener Stephansdom wohl Stellung nehmen zur Sonntagsruhe, "einer wichtigen sozialen Errungenschaft, für die gerade wir in Österreich ein besonderes Gespür haben", vermutet Schönborn. Und schließlich sei das Treffen am Freitagabend mit heimischen Spitzenpolitikern in der Hofburg "ein Besuch bei der Republik". Der Wiener Erzbischof erwartet daher auch Worte des Heiligen Vaters zu Europa im Allgemeinen und zur Rolle Österreichs für die Völkerverständigung im Speziellen.

"Die Katholiken zum Glauben ermutigen"

Abseits eventueller weltpolitisch relevanter Aussagen des Papstes erhofft sich der Kardinal aber vor allem eines: "Das Entscheidende ist die Ermutigung zum Glauben." Schönborn erinnerte daran, dass die Zahl der praktizierenden Katholiken deutlich geringer werde. In dieser Situation könnte die Visite des Heiligen Vaters vielleicht für einen Umschwung sorgen.

Er habe übrigens kein Problem damit, dass der Kirche ein "Event-Katholizismus" vorgeworfen werde, meinte Schönborn und stellte die rhetorische Frage: "Gehört das Feiern nicht zum Leben dazu?"

Was die kritischen Stimmen im Vorfeld des Papstbesuches betrifft, so meinte Schönborn: "Die gehören ja schon traditionell dazu." Man werde ihnen auch genügend Raum geben. "Nur soll die Kritik nicht die Freude über das schöne Ereignis stören."

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