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Geteilte Meinungen über neue Gen-Erdäpfel

Von Wolfgang Tucek

Wirtschaft

EU-Agenturen uneinig über die Auswirkung von Antibiotikaresistenz. | Pattsituation unter Agrarministern. | Brüssel. Die Zulassung gentechnisch modifizierter Organismen in der EU ist an sich schon schwierig genug. Selten findet sich die notwendige qualifizierte Mehrheit dafür oder dagegen. Am Montag stehen die Erdäpfel EH92-527-1 des Biotechriesen BASF auf der Agenda der Landwirtschaftsminister.


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Die Lage ist heikel: Die besonders Stärke haltige Gen-Knolle soll zwar vorerst nur für Anbau und industrielle Verwertung wie Papier- oder Kleistererzeugung freigegeben werden. Die Abfälle dürfen jedoch als Tierfutter verwendet werden. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat die neuen Erdäpfel bereits als unbedenklich als Nahrungs- und Futtermittel erklärt. Dass EH92-527-1 gegen Antibiotika resistent ist, sei irrelevant, meint die EFSA. Denn die betroffenen Wirkstoffe würden so gut wie nicht mehr verwendet.

Resistenz möglich

Dem widerspricht die EU-Arzneimittelagentur EMEA. Vor allem das Breitband-Antibiotikum Neomycin käme oft in der Veterinär- und Humanmedizin zum Einsatz. Allerdings sei die Risikoabschätzung der Auswirkungen von gentechnisch immun gemachten Erdäpfeln nicht ihre Aufgabe, sondern die der EFSA.

Das Ergebnis der Unstimmigkeiten zwischen den EU-Agenturen sei eine nicht abgeschlossene Risikobewertung, heißt es in Diplomatenkreisen.

Werde die resistente Knolle verspeist, könnte die den Erdäpfeln angezüchtete Resistenz auf Bakterien im Tier- oder Menschenkörper übertragen werden, erläutert ein Experte. Die Konsequenz: Die Behandlung von Krankheiten mit den betroffenen Antibiotika bliebe wirkungslos. Wie leicht oder oft das passieren könne, sei noch nicht geprüft worden.

Dennoch besteht die übliche Pattsituation: Eine nicht ausreichende Mehrheit von Mitgliedsstaaten wie Österreich, Italien, Griechenland und Polen wendet sich gegen die Zulassung der mutierten Erdäpfel. Eine starke Minderheit hinter Großbritannien und den Niederlanden ist für die manipulierte Feldfrucht. Als unsicher gelten Frankreich, Deutschland, Irland und Belgien. Gibt es wie so oft keine wirksame Entscheidung, winkt die EU-Kommission die EFSA-zertifizierten Mutanten meist durch.