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Die baltischen Staaten rücken wieder näher aneinander.
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Umgekehrt wäre es symbolträchtiger. Zusammen mit seinem ersten EU-Vorsitz übernimmt Lettland die europäische Gemeinschaftswährung. Doch hat das baltische Land schon vor einem Jahr den Euro eingeführt - und es ist das benachbarte Litauen, das nun seine Litas eintauscht. Die Esten wiederum zahlen bereits seit vier Jahren mit Euro.
Mit der Integration Litauens in den gemeinsamen Währungsraum rücken die drei ehemaligen Sowjetrepubliken wieder näher aneinander. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Unabhängigkeitserklärung um die jeweilige Staatenbildung bemüht, grenzten sie sich zunächst einmal mit eigener Währung, Personen- und Zollkontrollen voneinander ab. Jeder der drei Staaten verfolgte seinen Weg Richtung Nato und EU, und auch das nach der Jahrtausendwende einsetzende beachtliche Wirtschaftswachstum war unterschiedlichen Voraussetzungen geschuldet. Die Sprache trennte die Menschen sowieso, falls sie sich nicht auf Russisch miteinander verständigen wollten. Während nämlich das Estnische zur finno-ugrischen Gruppe gehört, sind das Litauische und Lettische baltische Sprachen - und selbst die weisen nicht allzu viele Ähnlichkeiten auf.
Der Beitritt zur westlichen Militärallianz, zur Europäischen Union und darin zur Schengen-Zone, in der Reisen ohne Passkontrollen möglich ist, vereinte die baltischen Länder wieder in größeren Strukturen. Und als EU-Mitglieder teilen sie nun ähnliche Hoffnungen und Sorgen. Zu diesen gehört nicht zuletzt die Entwicklung im Konflikt um die Ukraine und das Verhältnis zu Russland. Das Thema wird sich auch auf der Agenda des lettischen EU-Vorsitzes finden. Abgesehen von der Debatte über Sanktionen gegen den Kreml werden Riga nämlich auch die Vorbereitungen zu einem Sondergipfel im Frühling beschäftigen. Dabei sollen die Beziehungen zu jenen Staaten neu geregelt werden, die die EU im Rahmen der so genannten östlichen Partnerschaft näher an sich binden will. Das letzte solche Sondertreffen fand vor gut einem Jahr unter litauischem Vorsitz statt - und stand schon im Schatten der Ukraine-Krise, die kurz darauf eskalierte.
Beim Projekt der östlichen Partnerschaft können die Letten, wie zuvor die Litauer, vor allem mit der Unterstützung der Polen rechnen. Diesen ist das Programm nämlich von Anfang an ein Anliegen gewesen. Polen geht es dabei vor allem um Perspektiven für die benachbarte Ukraine: Ginge es nach so manchem Politiker in Warschau, hätte Kiew schon längst die Aussicht auf Beitrittsverhandlungen mit der EU erhalten.
Eine andere Mitgliedschaft löst in Polen hingegen Misstrauen aus: die eigene in der Währungsunion. Was Litauen, Lettland und der Großteil der vor zehn Jahren der EU beigetretenen Staaten vollzogen haben, schiebt Polen hinaus. Wie Tschechien und Ungarn hat es keine Eile damit, den Euro einzuführen. Denn jede Regierung in Warschau weiß, dass ein Großteil der Bevölkerung die Gemeinschaftswährung mit Skepsis betrachtet. Befürchtungen um teurere Lebensmittel und geringere Gehälter dominieren. Politische Begeisterung für den Euro ist nicht populär, und das wird sich auch heuer kaum ändern. Schließlich stehen in diesem Jahr Parlamentswahlen an.

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