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Gewinne schäumen im Osten

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Fünf Zukäufe in Tschechien, Rumänien und Weißrussland. | Ergebnis stieg um gut ein Fünftel. | Wien. "Nach dem Hauptsitz Amsterdam spielt Wien die bedeutendste Rolle im Konzern", sagte Nico Nusmeier, Präsident von Heineken Central & Eastern Europe, am Dienstag vor Journalisten in Wien. Und die werde in den nächsten Jahre eher noch an Bedeutung gewinnen, denn die mittlerweile größte ihrer fünf Regionen macht der Konzernspitze in den Niederlanden was Umsatzund - vor allem - Gewinnwachstum betrifft, große Freude.


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54 der zum Ultimo 2007 weltweit 115 Brauereien von Heineken liegen in der Konzernregion Zentral-Osteuropa. Vom weltweiten Bierverkauf Heinekens von 139 Millionen Hektoliter im Jahr 2007 stammten mehr als 51 Millionen aus der von Wien aus gemanagten Region CEE - zu der allerdings auch Deutschland, Russland und Griechenland zählen. Mit einem Umsatzwachstum um zehn Prozent legte die Region gleich doppelt so stark zu, wie der Gesamtkonzern. Auch beim operativen Ergebnis (Ebit) - plus 22 Prozent auf 444 Millionen Euro - übertraf man den Gesamtkonzern. Der musste einen Einbruch des Nettogewinns von 1,2 Milliarden 880 Millionen Euro berichten, nachdem eine hohe Kartellstrafe der EU in den Niederlanden fällig geworden war.

fünf Brauereien gekauft

Hauptträger des starken Wachstums in CEE war vor allem wieder stark steigender Bierdurst in Russland, Rumänien und Polen. Auch bei den Akquisitionen ging man in CEE ein hohes Tempo: In den vergangenen 12 Monaten wurden in Tschechien die Brauerei Krusovice und die nordböhmische Drinks Union zugekauft, in Serbien die Rodic Brewery, in Weißrussland Syabar und in Rumänien Bere Mures. Mit der türkischen Efes-Gruppe hat Heineken heuer im Jänner ein Joint Venture gegründet, das die gemeinsame Bearbeitung der Märkte Usbekistan, Kasachstan und Serbien umfasst.

Weitere Zukäufe in nächster Zeit will Nusmeier zwar nicht ganz ausschließen, zunächst gelte es aber, die jüngsten Akquisitionen zu verkraften. Auch im Mutterkonzern, der gerade den größten Zukauf der Unternehmensgeschichte zu stemmen hat: Gemeinsam mit dem dänischen Brauriesen Carlsberg übernimmt Heineken gerade um mehr als 10 Milliarden Euro den britischen Wettbewerber Scottish & Newcastle (S&N) mit Marken wie "Fosters" und "Kronenbourg". Die Riesen-Akquisition wird das Hauptthema der Heineken-Hauptversammlung in der übernächsten Woche.

S&N wird aufgeteilt

Carlsberg und Heineken werden S&N aufteilen: Die Dänen übernehmen unter anderem die Baltic Beverages Holding (BBH) mit Hauptsitz in Russland zur Gänze und bekommen auch die S&N-Aktivitäten in Frankreich, Griechenland, China und Vietnam. Heineken wird die S&N-Sparten in Großbritannien, den USA und Indien sowie in mehreren europäischen Ländern bekommen - gegen Irland legten die EU-Wettbewerbsbehörden ein Veto ein.

Für Heineken CEE unter Nusmeier ändert sich damit kaum etwas. "Die Konkurrenzsituation in Russland und Griechenland bleibt gleich, nur dass unsere Mitbewerber dort jetzt einen anderen Eigentümer haben".

2008 will Nusmeier ein ähnliches Wachstum bei Umsatz und Gewinn wie im Vorjahr anstreben - ohne sich auf einen Prozentsatz festlegen zu lassen. Eine Erfolgsstrategie sei die Forcierung höherwertiger Marken und Produktinnovationen auch in den Wachstumsmärkten, eine andere die Fortsetzung des Kostensenkungsprogramms "Fit to Fight". Nusmeier ist optimistisch: "Wir sind wie ein gutes Fußballteam aufgestellt: Mit guten Abwehrspielern in den reifen Märkten wie Österreich, mit guten Stürmern in den neuen Wachstumsländern".