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Gewitterwolken über Wiener Börse

Von Werner Michael Szabó

Wirtschaft

Am heimischen Aktienmarkt sind letzte Woche einige Gewitterwolken aufgezogen. Interne wie auch externe Faktoren drückten auf die Börsenstimmung. Als schwerer Klotz am Bein entpuppte sich die geradezu katastrophale Lage bei Libro. Zudem waren die Umschichtungen in den MSCI-Indizes nicht gerade förderlich für die ohnehin angeknackste Moral.


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Die zunächst leicht positiven, gegen Wochenschluss aber ebenfalls schwachen europäischen Börsen konnten dem Wiener Aktienmarkt keine Stütze bieten. Die heimische Börse stand zunächst unter dem Schock des Libro-Desasters. Im Markt war man sich zwar schon eine Zeit lang dessen bewusst, dass sich die Buch- und Tonträgerhandelskette in argen Nöten befindet, das Ausmaß hat aber letztendlich große Verwunderung hervorgerufen.

Libro musste zugeben, dass man ohne Finanzspritze nicht überleben wird können. Als Gründe für die massive Verschlechterung führte Libro die teure Expansion nach Deutschland und die hohen Verluste bei der Internet-Tochter lion.cc an. Mit diesen Nachrichten wurden jedenfalls die Investoren in Angst und Schrecken versetzt.

Einen weiteren negativen Anstrich erhielt der Wiener Aktienmarkt durch die Umschichtungen in den Indizes der Morgan Stanley Capital International (MSCI). Aus dem MSCI-Austria-Index eliminiert wurden Austrian Airlines, Generali und BBAG, wobei die beiden erstgenannten mit kräftigen Kursrückgängen reagierten.

Der Wiener Blue Chip-Index ATX, der die Vorwoche mit 1.222,11 Punkten beendet hatte, verlor schon bis zur Feiertagsunterbrechung am Donnerstag 2% und fiel damit unter die magische Grenze von 1.200 Zählern. Nach dem Feiertag ging es in der selben Tonart weiter fort, wobei sich der ATX bis zum Schluss auf 1.188,32 Punkte abgeschwächt hat. Im Wochenabstand bedeutet dies einen Rückgang um 2,8%. Der sämtliche Aktien umfassende WBI sank um 2,2% auf 484,75 Zähler. Der ViDX, der die in Wien notierten wachstums- und technologieorientierten Aktien abbildet, lag vor der Feiertagsunterbrechung noch deutlich im Minus (-1,5%). Dank des festen Indexschwergewichts Telekom Austria drehte der ViDX am Freitag sogar in ein Plus von 0,6% und schloß die Woche mit 922,01 Zählern.

Im ATX-Markt machte Telekom Austria mit einem 6,7%igen Anstieg den Aktionären Freude. Grund dafür war das besser als erwartet ausgefallene Quartalsergebnis. Freundlich präsentierten sich daneben auch Head (+5%), Flughafen Wien (+3,2%), BWT (+3,1%) und VA Stahl +2,8%).

Das Desaster bei Libro ließ deren Börsenkurs um 24,4% auf unter 4 Euro abstürzen. Massiv verloren haben in der Berichtswoche auch Austrian Airlines (-14,6%) und Generali (-10,3%). Federn lassen mussten auch Austria Tabak (-5,6%), Erste Bank (-4,9%), OMV (-4,8%) und EVN (-4,4%).

Im B-Segment konnten UIAG einen Teil der zuletzt verzeichneten Kursverluste mit plus 13% wieder wettmachen. Den ebenfalls freundlichen Do & Co (+7,1%) sowie Jenbacher (+5,7%) standen die schwachen Palfinger (-8,2%), HypoVereinsbank (-5,4%) und Semperit (-3,5%) gegenüber.

Bei den im C-Markt notierten Small Caps stiegen Heid um 10,9% und Readymix Kies-Union um 7,5%. Um mehr als 6% angezogen haben weiters ATB, Vorarlberger Kraftwerke und Maculan Holding. Darbo und Meinl International stiegen um jeweils 5,1%.

Um mehr als ein Viertel tiefer notierten Hild Vorzug (-26,2%). Viso Data schwächten sich um 12,3% ab, igm Vorzug um 9,8%, Lauda Stamm um 7,5%, Mautner Markhof um 7% und Vogel & Noot Wärmetechnik um 5,6%.

Werner M. Szabó ist Redakteur der Zeitschrift bankundbörse