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Glanz bei Pariser Auto-Show, aber "Licht aus" in Fabriken

Von Helmut Dité

Wirtschaft

Vor allem Frankreichs und Italiens Autobauer stehen vor schweren Zeiten.


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Paris. "Die Zukunft - heute": Unter diesem Motto werden ab diesem Wochenende wieder mehr als eine Million Besucher beim auch heuer glamourösen Pariser Automobilsalon erwartet. Doch manche der 270 Aussteller bei der - abwechselnd mit der Frankfurter IAA - alle zwei Jahre abgehaltenen weltweit bedeutendsten Branchenmesse gruselt es beim Blick in die Zukunft ein wenig. Die eher noch schneller werdende Talfahrt des Automarktes in West- und Südeuropa bedroht vor allem die französischen und italienischen Massenhersteller.

Aber auch Europas größter Autobauer Volkswagen - der bisher in den Boom-Märkten China, USA und Russland die Schwäche Europas weit überkompensieren konnte und gegen den Branchentrend auch heuer Rekordverkaufszahlen anpeilt - wird vorsichtiger: "Wir fahren auf Sicht", sagte der aus Österreich stammende VW-Vertriebsvorstand Christian Klingler bei der Messe - und diese Aussage erinnert frappant an ähnliche vor der letzten schweren Branchenkrise der Jahre 2008/2009.

Vor allem dem französischen Autobauer PSA Peugeot/Citroën ist das Heimspiel in Paris gründlich verpatzt. Das Unternehmen werde vermutlich bis 2014 monatlich einen dreistelligen Millionenbetrag an Cash verbrennen, sagte Konzernchef Philippe Varin - insgesamt droht ein Milliardenverlust. PSA will rund 8000 Arbeitsplätze in Frankreich abbauen und ein Werk in der Nähe von Paris komplett zusperren. "Wir haben unsere Kapazitätskürzungen schon bekannt gegeben", sagt Varin - der eine oder andere seiner Konkurrenten in Europa wird demnächst folgen müssen, davon ist er fest überzeugt.

Wer schließt als Nächster?

Debatten über Fabrik-Schließungen von Fiat in Italien und der Verlust bringenden General-Motors-Europa-Tochter Opel in Deutschland sind schon im Gang. Von Ford-Europa und sogar von Daimler-Benz in Stuttgart - das andererseits für seine bestens nachgefragte neue kleine A-Klasse zusätzliche Produktionskapazitäten in Finnland zukaufen muss - kommen Gewinnwarnungen, Ankündigungen tage- oder wochenlangen Anhaltens der Fließbänder und Sparprogramme.

Die Durststrecke in Europa wird laut dem "Autoprofessor" Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen anhalten. Er erwartet, dass 2013 sogar noch härter wird als heuer, der Autoabsatz dürfte auf 11,6 Millionen Stück sinken - damit würde 2013 das schlechteste Verkaufsjahr in Westeuropa seit 1993.

Marcus Berret von der Unternehmensberatung Roland Berger sieht auch Fehler bei den Herstellern. Manche Autobauer hätten sich "falsch aufgestellt" - Peugeot etwa hätte viel zu spät die Expansion nach Asien angegangen.

Frankreichs größter Autokonzern Renault hingegen hält sich durch die Erfolge seiner japanischen und südkoreanischen Allianzpartner Nissan und Samsung noch gut - vor allem aber rettet die Billigauto-Tochter "Dacia" den Parisern die Bilanz.

Und sie wird das auch in Zukunft tun: Denn besonders in Krisen- und Schwellenländern hätten Fahrzeuge, die ein gutes Drittel billiger seien als konventionelle Autos, großes Potenzial, so eine CAR-Studie. Um das Jahr 2030 werden demnach weltweit 25 Millionen Billigautos gekauft - 2011 waren es erst 6,5 Millionen.

Musterbeispiel für den Erfolg mit "Billigautos" sei Renaults rumänische Tochter Dacia. Die Marke kam 2004 mit dem Logan auf den Markt und bietet mittlerweile auch einen Kombi, einen Pick-up, einen Kleinwagen, einen Van und einen SUV an. "Dacia schaffte es als erster Hersteller in der Geschichte des Automobils, in weniger als zehn Jahren praktisch von null auf mehr als 800.000 Fahrzeuge pro Jahr zu wachsen", so Dudenhöffer. Noch vor 2015 werde Dacia mehr als eine Million Autos pro Jahr bauen. Allerdings kein einziges davon in Frankreich - die Fabriken stehen in Rumänien, Marokko, Brasilien, Kolumbien, Iran, Indien und Russland.