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"Happy Days Are Here Again", spielte die Band, als Senatorin Hillary Clinton das Podium in Rochester betrat. Hier, im Norden des Staates New York, wo die Demokraten noch vor kurzem als vom Aussterben bedrohte Art galten, scheint es ganz so, als würden tatsächlich sehr glückliche Tage bevorstehen. Ich habe mit Hillary Clinton eine Woche vor der Kongresswahl am 7. November einen typischen Wahlkampftag erlebt.
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Wenige Tage vor der Wahl sind die Demokraten in allen Umfragen weit vorn. Hillary Clinton liegt fast 30 Prozentpunkte vor ihrem republikanischen Herausforderer John Spencer. Und der demokratische Kandidat für den Gouverneursposten, Eliot Spitzer, führt fast 50 Prozentpunkte vor seinem Rivalen John Faso.
Die Themen, die geholfen haben, die Demokraten hier wieder in den Sattel zu heben, sind allgegenwärtig und lassen die Strategien ahnen, die Hillary Clinton nächstes Jahr verfolgen wird, wenn ihre Partei vermutlich mindestens in einem Haus des Kongresses dominieren und sie selbst wohl zur Spitzenkandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2008 wird. Im Grunde sind die Themen, mit denen sie so erfolgreich ist, klassisch. "Eine Brücke zur Zukunft bauen", wie das schon ihr Mann Bill Clinton auf seine Fahnen geschrieben hatte, als er Präsident war, aber immer mit einem kleinen Hillary-Dreh: "grüne" Themen, alternative Energie, die Kosten im Gesundheitswesen senken, die Nichtversicherten versichern, verarmte Stadtviertel revitalisieren, vor allem mit PPPs (Public-Private Partnerships), die die Clintons schon lange favorisieren.
Mit der unbändigen politischen Energie ihres Ehemannes kann sich Hillary Clinton zwar nicht messen und auch nicht mit seiner überschwänglichen Art, mit der er für alle alles zu sein scheint, aber sie holt auf. Wahlkampfmäßig fühlt sie zum Beispiel mit Ärzten und Krankenschwestern: "Wir bewegen uns auf dünnem Eis, und das Eis knackst, und wir müssen fürchten einzubrechen."
Bei der politischen Kundgebung zum Abschluss unseres Wahlkampftages verwandelt Hillary Clinton ihre Version einer Politik der Mitte in einen Kriegsschrei. Sogar konservative Republikaner, brüllt sie ins Publikum, seien mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass an der Politik von Präsident Bush nichts Konservatives oder Republikanisches mehr sei. Dann verlässt sie die Versammlung mit einem typisch Hillaryschen "Ach du meine Güte! Das ist ja alles so spannend!"
Was wird nach dem 7. November aus all dieser demokratischen Energie? Wird sie zu Strategien für ein effektives Regieren zusammenfließen? Oder wird sie sich einfach damit verausgaben, das Bush-Prügeln auf eine größere Bühne zu heben?
Hillary Clinton sagt, dass ihre Prioritäten im neuen Kongress eben diese Themen sein werden, die sie während ihres Wahlkampfs präsentiert: die Entwicklung der alternativen Energien beschleunigen, mehr Gesundheitsinformation als ersten Schritt zu einer größeren Gesundheitsreform, die außer Kontrolle geratenen öffentlichen Ausgaben bremsen und im Irak retten, was noch zu retten ist.
Am Ende dieses langen Wahlkampftages habe ich Hillary Clinton gebeten, zu skizzieren, wohin es für sie in den nächsten Jahren gehen wird. Ihre Antwort klingt, als wären die USA der Norden des Staates New York: "Die Amerikaner sind hauptsächlich pragmatisch. Wir sind konservativ und progressiv zugleich. Im Zentrum bekommt man die Menschen zusammen."
Hillary Clintons aktualisierte Fassung des bekannten Clinton-Evangeliums funktioniert offensichtlich im Norden des Staates New York bestens. Der harte Teil der Arbeit beginnt aber erst, und zwar am Tag nach der Wahl.
Übersetzung: Hilde Weiss

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