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Goldgräber-Stimmung in der Automobilbranche

Von Alexander Mathe

Wirtschaft

Die Zukunft der europäischen Automobilindustrie liegt in Mittel- und Osteuropa. Ein wachsender Markt und billige Arbeitskräfte locken Unternehmer aus der ganzen Welt.


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Dank der EU-Osterweiteruung seien in den nächsten zwei Jahrzehnten kräftige Zuwachsraten am Automarkt zu erwarten, prophezeite vor kurzem Ingvar Sviggum, Ford-Vize-Präsident für Europa. Er sollte Recht behalten.

Als einer der Hauptmotoren der europäischen Fahrzeugindustrie gilt das "automotive Wunder" Slowakei. Es dürfte nur der Beginn einer Entwicklung sein, die in den kommenden Jahren insbesondere Mittel-Osteuropa zum wichtigsten Automarkt machen wird. Eine PlanConsult-Studie im Auftrag von Wirtschaftsministerium und Österreichischer Kontrollbank sagt der Autozuliefer- und automotiven Industrie einen Zuwachs von 70 Prozent bis zum Jahr 2015 voraus. Ausschlaggebend dafür ist das unternehmerfreundliche Klima in der Slowakei.

Als Gründe für den Boom nennt Studienautor Helmuth Kuntscher niedrige Löhne, gut ausgebildete Arbeitskräfte und Steuersysteme wie die Flat Tax sowie die geographische Lage. 800.000 Autos jährlich sollen schon ab 2008 die Slowakei zu einem der größten Automobilhersteller Europas machen. Diese Aussicht lockt natürlich allerhand Kunden. VW Slowakia hat bereits 60 Mio. Euro investiert. Aber auch für die österreichischen Automobilzulieferer ist die Slowakei interessant. "Der Kunde will Qualität zu erschwinglichen Preisen. Daher ist es wichtig, dass die Partner für die Autoerzeugung in der Nähe sind - zum Beispiel in Österreich", erklärte Jozef Uhrik, Präsident der Slowakischen Automobilindustrie-Vereinigung.

Unterdessen setzen französische Fahrzeugbetriebe auf Rumänien. Der Automobilzulieferer Montupet plant die Errichtung eines Werks in Rumänien und will dafür innerhalb von fünf Jahren 120 Mio. Euro investieren. Das Unternehmen hat bereits einen Zuliefervertrag mit der Firma Renault abgeschlossen, die wiederum die alte Automobilfabrik Dacia gekauft hat. Dort werden derzeit Autos für Schwellenländer produziert. Verbraucherpreis: 5.000 Euro. Das billige Vehikel dürfte sich gut verkaufen, denn noch nie wurden so viele Neufahrzeuge in Rumänien abgesetzt, wie im Jahr 2004. Die Fahrzeugexporte stiegen um fast 60 Prozent. - Klare Vorzeichen eines kommenden Auto-Booms.