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Goldtransfer bald abgeschlossen

Von Karl Leban

Wirtschaft

Neues OeNB-Lagerstellenkonzept schon im Sommer umgesetzt: Hälfte des Staatsgoldes dann in Wien.


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Wien. Seit Mitte 2015 ist die Nationalbank (OeNB) damit beschäftigt, einen Teil des in Großbritannien bei der Bank of England gehorteten Goldes der Republik umzuschichten und nach Österreich zu holen. Ein neues Lagerstellenkonzept soll dabei umgesetzt werden. Waren es ursprünglich lediglich 17 Prozent, will die OeNB in Zukunft mit rund 140 Tonnen 50 Prozent der staatlichen Goldreserven im Inland bunkern. Wie Notenbank-Chef Ewald Nowotny am Dienstag ankündigte, wird die mit hohem sicherheits- und transporttechnischen Aufwand verbundene Rückführung des Goldes aus London bereits diesen Sommer abgeschlossen sein - und damit zwei Jahre früher als geplant.

Vor Beginn des Umschichtens hatte der österreichische Staat 80 Prozent seines Goldes in den Tresoren der Bank of England gelagert, künftig sollen es mit 30 Prozent (rund 84 Tonnen) deutlich weniger sein. Im Gegenzug soll jedoch neben Österreich auch die benachbarte Schweiz als Lagerort für den "Schatz der Republik" aufgewertet werden. Geplant ist, in Zürich in Zukunft 20 (statt bisher 3) Prozent des Bestands zu bunkern. Das sind rund 56 Tonnen.

246 Millionen für den Bund

Bei der Rückholung von Goldreserven nach Wien, die in der Vergangenheit von Teilen der österreichischen Politik immer wieder gefordert wurde, geht es laut Nationalbank um insgesamt rund 90 Tonnen. Von Mitte 2015 bis Ende 2017 hat die OeNB rund 70 Tonnen aus London rückgeführt. Wie es weiter hieß, werde jeder einzelne Barren auf seine Echtheit geprüft, bevor eine Einlagerung in die Tresore der OeNB erfolgt. Beanstandungen habe es bisher bei keinem Barren gegeben.

2017 hat die im Alleineigentum des Bundes stehende OeNB ihren Gewinn gegenüber dem Jahr davor um sieben Prozent auf 286 Millionen Euro gesteigert. Die Nationalbank habe in einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld trotz anhaltend niedriger Zinsen ein gutes Ergebnis erzielt, sagte OeNB-Präsident Claus Raidl in der Bilanzpressekonferenz.

Von den erwirtschafteten 286 Millionen kassiert der Bund nun insgesamt 246 Millionen Euro, wovon 72 Millionen auf die Körperschaftsteuer und 174 Millionen Euro auf den 90-prozentigen Gewinnanteil entfallen. Raidl merkte an, dass die OeNB somit seit 2008 - also in den vergangenen zehn Jahren - in Summe 2,9 Milliarden Euro an den Bund abgeführt habe.

Fortgesetzte Anleihenkäufe

Die Bilanzsumme der OeNB hat sich 2017 - infolge fortgesetzter Anleihenkäufe im Rahmen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) - weiter aufgebläht: um rund ein Sechstel auf 143,7 Milliarden Euro. Nowotny, der auch Mitglied im EZB-Rat ist, sprach sich am Dienstag gegen ein abruptes Ende dieser Geldpolitik aus (die seit drei Jahren darin besteht, dass die Euro-Hüter im großen Stil Anleihen kaufen, um Konjunktur und Inflation in der Eurozone zu befeuern). "Wie es weitergeht, wird wohl im Sommer entschieden", sagte er. Falls dann die Entwicklung wie erwartet verlaufen sei, gebe es die Möglichkeit, die Käufe erheblich zu drosseln und in Richtung Programm-Ende zu gehen.

2017 kaufte die OeNB 53 Milliarden Euro an Anleihen auf. Im gesamten Eurosystem lag das Volumen bei 2366 Milliarden.