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Google kann doch nicht hellsehen

Von Christina Böck

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Praktisch sind sie ja, die sozialen Netzwerke in all ihrer üppigen Datenausstattung. Deswegen werden solche Daten oft für Analysen oder Vorhersagen verwendet. Nun hat ein Forscher gewarnt, dass das keine gute Idee ist. So sind solche Daten nicht repräsentativ, weil etwa auf der Bilderplattform Pinterest eine andere Zielgruppe vertreten ist als auf der Bilderplattform Instagram. Und, wer hätte das gedacht: Viele der freundlichen Nasenlöcher auf den Fotos gebe es gar nicht, sie sind Fake. Es empfiehlt sich also, sich nicht am Datenmaterial, das da so verführerisch im Netz herumliegt, zu bedienen. So wie es sich grundsätzlich empfiehlt, nicht alles zu glauben, was irgendwo im Internet steht. Man möchte glauben, dass Wissenschafter so etwas ohnehin wissen.

Als Beispiel bringt der Forscher eine Analyse, die erst kürzlich begeisterte Schlagzeilen gemacht hat. Google kann Grippeepidemien voraussagen, hieß es da. Anhand der Suchanfragen nach Grippesymptomen konnte der "Google Grippe Trend" vorhersagen, wie viele Menschen sich in den nächsten Tagen krankmelden würden. Klingt plausibel, hatte aber einen Haken: Vorausgesagt hat diese Datenanalyse schließlich lediglich den Winter, nicht die Grippesaison.

Solche Studien scheitern übrigens auch sehr oft daran, dass viele Menschen aus Bequemlichkeit einfach die automatischen Vorschläge in der Suchanfrage annehmen, also nicht selbst formulieren. Kein Wunder, dass die Studien am Ende unbrauchbar sind, denn es kann mitunter auch passieren, dass man eigentlich "Gehaltserhöhung" sucht und "Geh in Wald und lutsch an Käfer" eingibt.