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Gordon Brown will Träume wahr machen

Von WZ Online

Europaarchiv

Gordon Brown gilt als angeschlagen, manche meinen rücktrittsreif. Doch bei der Rede des britischen Premiers auf dem Labour-Parteitag war davon nichts zu merken. "Kämpfen" war der Begriff der Stunde.


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Allein in der ersten Minute seiner Ansprache fürten es die Delegierten fünfmal. Und auf einmal schien der Glaube zurück, die schon verloren geglaubte Parlamentswahl 2010 doc noch offen. Obwohl Brown das Tempo der Anfangsminuten nicht halten konnte - auch weil er Versprechungen machte, die für mehrerer Amtszeiten reichen würden - spendete ihm der Parteitag sieben Minuten lang Beifall. Und später gab es meist zufriedene Gesichter.

Nicht weniger als die "beste Rede seines Lebens" hatten die Labour-Abgeordneten von Brown erwartet. Das war schon beim vergangenen Parteitag so, als sich Brown in Manchester einer innerparteilichen Rebellion gegenübersah und sich mit einer guten Rede rettete, die sehr persönlich war. Zwölf Monate später ist die Situation des Regierungschefs und seiner Partei kaum besser und die des Landes wegen der weltweiten Wirtschaftskrise ungleich schlechter. Und Labour liegt in Umfragen weit hinter der Konservativen Partei von Oppositionschef David Cameron.

Entsprechend frustriert und mutlos waren die Delegierten, als sie am Wochenende zum letzten Parteitag vor der Wahl in dem südenglischen Seebad eintrafen. Nach den Umfragen droht ihnen bei der Wahl ein Desaster, das es mit der Niederlage der SPD in Deutschland locker aufnehmen kann.

Brown konnte zumindest am Dienstag die Hoffnung auf einen vierten Wahlsieg in Folge wecken. "Träumt keine kleinen Träume, denn sie können die Welt nicht ändern. Träumt große Träume", rief Brown den Delegierten zu.

Während Brown viele Delegierte davon überzeugt hat, ihm weiter zu folgen, bleibt abzuwarten, ob die Botschaft auch beim Wähler ankommt. Zumindest nach den letzten Umfragen drohen Labour erdrutschartige Verluste, die die Partei wohl für weit mehr als eine Legislaturperiode in die Opposition verbannen würden.

Um das abzuwenden zeichnete Brown das Bild der oppositionellen Konservativen, die fatale Entscheidungen in der Wirtschaftskrise getroffen hätten und im Falle eines Wahlsiegs schmerzliche Einschnitte vornehmen würden. Am liebsten hätte Brown seinen Parteifreunden die Hoffnung auf einen Sieg eingeimpft: "Hört niemals, niemals auf, daran zu glauben. Und weil die Aufgabe so schwer ist, wird der Triumph umso größer ausfallen."