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Graf Bobby und der Videorecorder

Von Edwin Baumgartner

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"Servus, Bobby."

"Servus, Rudi. Du, Rudi, so ein Videorecorder ist was Feines."

"Geh, Bobby, wieso denn das?"

"No, schau, Rudi, am Samstag, du weißt schon, was da war..."

"Da war der nationale Trauertag für den Thronfolger."

"Ganz genau, Rudi. Weißt, unsere Philharmoniker haben an dem Tag ein Konzert in Sarajevo g’spielt."

"Das ist aber nicht schön, wenn unser Orchester genau an dem Tag und an diesem Ort..."

"Doch, Rudi, es war sogar sehr schön, und den alten Kaiser [Graf Bobby und Graf Rudi salutieren, das Zusammenknallen der Hacken hört man auf dem ganzen Graben] hätt’s auch sehr g’freut. Drum hab’ ich mir das Konzert jeden Tag mit dem Videorecorder ang’schaut, seit sie’s im Fernsehen gesendet haben."

"Geh, Bobby, du magst doch sonst keine Musik außer der Hymne ,Gott erhalte, Gott beschütze unsern Kaiser, unser Land!‘"

"Ja, genau deshalb, Rudi."

"Das versteh’ ich nicht."

"No, unsere Philharmoniker haben in Sarajevo genau das g’spielt: Unsere Kaiserhymne. Die Serben, die haben den Princip..."

"Net sprich den Namen aus!"

"Hast eh recht: Die Serben haben den halt wie einen Volkshelden g’feiert, aber was im Fernsehen war, war unsere Hymne in ihrer Stadt. Irgendwie, weißt, Rudi, war das wie eine Heimholung. Es hat ja auch einer von uns dirigiert: der Franz Welser-Möst."

"Geh, Bobby, der heißt Möst und nennt sich Welser, weil er von dort herkommt."

"Das weiß ich eh, aber jetzt ist er einer von uns: Franz Möst von Wels. Servus Rudi."

"Famos! Servus, Bobby."