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Großbauprojekte als Lösung

Von Alexandra Laubner

Politik
"Mit Großprojekten" wie dem Turm am Höchstädtplatz im 20. Bezirk - so lautet die Antwort von Architekt Albert Wimmer auf die Frage, wie man kostengünstiger bauen könnte.
© Sozialbau AG/Wien

Wie kann Wien kostengünstiger bauen? Die Antworten könnten bunter nicht sein: Während die Stadt Verordnungen lockern möchte, kritisiert eine Baumeisterin veraltete Steuer-Systeme. Ein Architekt setzt auf Hochhäuser, Raumplaner auf Leerstände.


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Wien Die Diskussion ist nicht neu, aber aktueller denn je und mit Lösungsvorschlägen kann politisches Kleingeld gemacht werden. Im Fokus steht die Frage: Wie kann kostengünstiger in Wien gebaut und damit leistbarer Wohnraum geschaffen werden?

Die Stadt, die sich mit einigen Verordnungen, wie es scheint, selbst kannibalisiert hat, zieht die Notbremse. Wobei, wie man aus dem Büro des zuständigen SPÖ-Wohnbaustadtrates Michael Ludwig, der Mitte Februar ein Maßnahmenpaket präsentiert hat, betont, bei gleichbleibenden Qualitäts- und ökologischen Standards.

Neben der Verkürzung von Verfahrensabläufen - es soll etwa die Dauer von Bauträgerwettbewerben bis zur Wohnungsübergabe maximal 32 Monate dauern (damit um vier Monate kürzer) - steht die Lockerung der restriktiven Stellplatzverordnung am Plan. Generell gilt, für 100 Quadratmeter Wohnraum in Wien muss ein Parkplatz errichtet werden. Zukünftig solle mehr Spielraum möglich sein. Wie, das steht noch nicht fest.

"Der Prozess läuft gerade in enger Abstimmung mit den Bezirken. Das wird eine längere Diskussion", heißt es aus dem Büro von Ludwig. Ein weiterer Punkt, ist die Preisdeckelung der Freiraumgestaltung bei geförderten Wohnbauprojekten. Die Stadt plant, die Kosten nach unten zu schrauben. Konkrete Zahlen werden noch ausverhandelt.

Beweislast umgedreht

Umkrempeln möchte man auch das interne Immobilien-Management. Kann eine Magistratsabteilung beispielsweise die Notwendigkeit von Lagerflächen nicht mehr argumentieren, können diese für den geförderten Wohnbau genutzt werden. "Die Regelung gibt es bereits, aber wir halten jetzt explizit Ausschau nach nicht genutzten Flächen und haben die Beweislast umgekehrt, da es in den letzten Jahren nicht funktioniert hat und einige Lagerflächen nicht genutzt werden", heißt es aus dem Stadtratbüro.

Kunststoff- statt Alufenster

Ebenfalls in der Pipeline ist die Optimierung der Gemeinschaftsräume bei Neubauten. Was bedeuten könnte, dass bei kleineren Bauprojekten mit bis zu 50 Wohnungen nicht in jedem Wohnhaus ein Gemeinschaftsraum entsteht, sondern drei Bauträger sich einen teilen. Weiters soll eine Anpassung der Förderrichtlinie eine Kostenersparnis bei Wärmeschutz und Fenster bringen - statt Alufenster könnten Alternativen wie Kunststofffenster zum Tragen kommen. Letzter Punkt: Die Grundstücksmobilisierung, die seit Jahren im Fokus steht, soll weiter ausgebaut werden.

Was macht das Bauen in Wien teuer? Die Liste der Wiener Baumeisterin und ehemaligen ÖVP-Stadträtin Isabella Leeb ist lang. Leeb führt als Kostentreiber die finanziellen Belastungen der Unternehmer an und nennt unter anderem die U-Bahnsteuer, die im Fachjargon Dienstgeberabgabe der Gemeinde Wien heißt und mit einer Gebühr von zwei Euro pro Woche und Dienstgeber für den U-Bahnbau zweckgebunden ist.

Weiteres listet Leeb unter anderem die erhöhte Schallschutzanforderung, die Beton-, Hochhaus- sowie die Erdbebennorm und auch die gesetzliche Neuregelung der Recyclingverordnung auf. Der Trend zu größeren Fensterflächen, die Kinderspielplatzverordnung sowie die Dichtbetonausführung seien weitere Preistreiber.

"Zusammengefasst kann man sagen, dass hohe Steuern und Lohnnebenkosten, gesteigerter bürokratischer Aufwand, verschärfte gesetzliche Standards, extrem hohe Normenstandards, höherwertige Ausstattungen und die Ausweitung von Anrainerrechten das Bauen teuer macht", sagt Isabella Leeb.

Der Lösungsansatz von Marina Döring-Williams und Elisabeth Wernig vom Institut für Kunstgeschichte, Bauforschung und Denkmalpflege an der Fakultät für Architektur und Raumplanung ist, den bereits vorhandenen Wohnraum zu nutzen. "Was unserer Meinung zu kurz kommt, ist das anzuschauen, was bereits da ist. Sprich, über eine Nutzung oder eine Zwischennutzung von leerstehenden Gebäuden nachzudenken." Die Leerstände in Wien können nur geschätzt werden, da Vermieter, im Gegensatz zu der Schweiz, nicht verpflichtet sind, Leerstände zu melden. "Die Dunkelziffer ist sehr hoch", sagt Wernig. Die IG Kultur Wien, die vor fünf Monaten eine Petition an die Parlamentsdirektion übergeben hat, damit Leerstände in Wien geöffnet werden, hat einen Leerstandsmelder initiiert. Die interaktive Karte ist unter www.leerstandsmelder.net abrufbar. Laut Döring-Williams und Wernig könnten sich auch neue Wohnkonzepte, vor allem zum Thema "kollektivem Wohnen", positiv auf die Preisgestaltung auswirken.

"Schluss mit small is beautiful"

Architekt Albert Wimmers (Seestadt Apern, Hauptbahnhof Wien, Campus Monte Laa, Krankenhaus Wien Nord) Antwort auf die Frage, wie man in Wien kostengünstiger bauen könnte, lautet ganz klar: "Großprojekte". "Wir müssen mit dem Denken, dass nur small beautiful ist, aufhören und erkennen, dass wir auch größere Anlagen benötigen", so Wimmer zur "Wiener Zeitung". Nachsatz: "Klar ist, wir sind in unseren Konzeptionen nur gemeinsam stärker, nachhaltiger und preiswerter. Daher gilt es, einen Think Tank zu installieren, im kleinsten Kreis mit jenen, die mindestens seit 20 Jahren kontinuierlich in diesem Themenkreis intensiv gearbeitet haben. Aufbauend auf den Erfahrungen, die wir damals gemacht haben, sind umfassende Maßnahmen zu fixieren, so wie seinerzeit die Initiative und Findung der Bauträgerwettbewerbe stattgefunden hat", so Wimmer.