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"Großer Wirbel um eine geringe Summe"

Von Bettina Figl und Wolfgang Zaunbauer

Politik

"363 Euro kann man nur zahlen, wenn man reich ist", sagt eine Studentin.


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Wien. "Der Staat nimmt sich aus der Verantwortung", sagt Philipp Pettauer, angesprochen auf das Thema Studiengebühren. Ihn trifft die Regelung zwar nur, falls er die Mindeststudiendauer um zwei Semester überziehen sollte - und davon ist der 18-Jährige, der im zweiten Semester Soziologie studiert, noch weit entfernt. Er hat soeben die Studieneingangsphase passiert und kritisiert: "Ich sehe nicht ein, dass der Staat den Unis das Geld für die Studiengebühren nicht einfach gibt." Stattdessen solle sich die Politik dazu bekennen, dass Bildung wichtig ist, denn Studiengebühren sind seiner Ansicht nach "eine so geringe Summe, um die so ein großer Wirbel gemacht wird".

Dass das Bezahlen für das Studium international längst Usus ist, ist für ihn kein Argument: "Wir sollten uns nicht am angloamerikanischen Raum orientieren, sondern an den skandinavischen Staaten, die ohne Studiengebühren auskommen" - schließlich blicke man sonst in bildungspolitischen Fragen ebenfalls stets in den hohen Norden.

Ganz anders sieht das Jus-Student Maximilian Schneditz-Bolfras: Er ist "absolut" für Studiengebühren, denn "was nichts kostet, ist nichts wert", so der 24-Jährige. Allerdings solle das Geld den Unis direkt zur Verfügung gestellt werden, "damit die Bedingungen, was Platz und Ressourcen angeht, verbessert werden". Außerdem müsse dann auch das Stipendienwesen verbessert werden, "damit keiner, der Studieren will, aus finanziellen Gründen daran gehindert wird".

Yasemin Inan ist den Studiengebühren immer knapp entkommen: Sie studiert im 12. Semester Religionswissenschaft, und ihr wurden die Gebühren aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit erlassen. Sie findet es prinzipiell nicht schlecht, für das Studium zu bezahlen, allerdings "nicht mehr als 50 bis 100 Euro" - denn knapp 400 Euro seien "für das, was geboten wird, zu viel", meint die 23-Jährige.

In dieselbe Kerbe schlägt Teresa Christall: "363 Euro sind ein Betrag, den man nicht einfach berappen kann, außer man kommt aus einer sehr reichen Familie", sagt Christall. Sie studiert Germanistik im zweiten Semester und arbeitet nebenbei. Für den Fall, dass sie ihr Studium nicht in der Mindeststudienzeit schafft und Studiengebühren anfallen, müsste sie sich einen zweiten Job suchen. Sie sagt: "Ich sehe Studiengebühren problematisch und bin prinzipiell dagegen. Bildung sollte gratis und staatlich finanziert sein. Sie befürchtet, dass die Studiengebühren "eklatant höher" veranschlagt werden könnten, wenn diese von den Universitäten autonom festgelegt werden dürften.

"Mich wird das nicht mehr treffen", sagt Bella Flu, die nach neun Semestern Theaterwissenschaften ihren Bachelorabschluss so gut wie in der Tasche hat. Bisher haben ihre Eltern ihr Studium bezahlt, nun hat sie einen Nebenjob und könnte Studiengebühren auch selbst bezahlen. "Aber man sollte auch länger studieren können, ohne dafür zu bezahlen", fordert die 22-Jährige. Sie selbst hat vor, möglichst lange zu studieren, nun will sie Germanistik inskribieren und vielleicht den Master anhängen, "wenn es mir gefällt".