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Manipulationsvorwürfe und Gewaltausbrüche heizen Stimmung auf.
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Kinshasa. Wenn der Ausgang der Präsidenten- und Parlamentswahl im Kongo feststeht, werden die Augen der internationalen Gemeinschaft zunächst nicht auf die Sieger, sondern auf die Verlierer des Votums gerichtet sein: Vor allem bei der Wahl zum Staatsoberhaupt herrscht großes Bangen, ob die unterlegenen Kandidaten das Ergebnis akzeptieren werden. Denn ein Streit rund um den Wahlausgang würde die Lage in dem rohstoffreichen Land, in dem der Großteil der Bevölkerung in großer Armut lebt, noch einmal verschärfen. Die Stimmung ist ohnehin aufgeheizt. Während des Urnengangs kam es vor mehreren Wahlbüros zu Ausschreitungen und Schießereien, bei denen bis Dienstag bis zu elf Menschen getötet wurden. Wütende Oppositionsanhänger zündeten zudem zwölf Wahllokale an, da sie Manipulationen witterten.
Favorit bei der Wahl ist Amtsinhaber Joseph Kabila, sein größter Herausforderer der langjährige Oppositionelle Etienne Tshishekedi. Die Staatsmacht hat während des Wahlkampfes alles Mögliche unternommen, um Tsishekedi bei seiner Kampagne zu behindern. So wurde dem 78-Jährigen etwa untersagt, seine Abschlusskundgebung in Kinshasa abzuhalten. Zudem berichteten Oppositionelle bereits, dass Wahlurnen aufgetaucht seien, die schon vorab mit für Kabila ausgefüllten Wahlzetteln vollgestopft waren. Es wäre daher nicht verwunderlich, wenn Tshishekedi und auch andere Oppositionelle einen Sieg Kabilas nicht akzeptieren würden. Vital Kamehre hat bereits eine Annullierung der Wahl gefordert.
Sollte aber der Staatschef, der seit zehn Jahren herrscht, überraschenderweise das Nachsehen haben, ist seine Reaktion ebenso unabsehbar. Zumal auch Anhänger Kabilas sich beklagten, dass sie in Oppositionshochburgen an der Stimmabgabe gehindert wurden.
Entscheidend wird auch sein, wie die Verlierer ihren Unmut zum Ausdruck bringen, wenn sie das Ergebnis als manipuliert ansehen.

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