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Grüne Ring-Visionen

Von Bernd Vasari

Politik
So könnte Ringstraße in Zukunft aussehen. Barcelona Regional

Maria Vassilakou möchte Debatte über Neugestaltung der Ringstraße.


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Wien. Marktstände statt Parkplätze, Grünstreifen statt Seitenstraßen, viel Platz zum Verweilen. Auf Einladung von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) präsentierten am Dienstag zwei internationale Stadtplanungsbüros ihre Visionen für eine neue Ringstraße.

Den Visionen der beiden Büros Gehl Architects (Kopenhagen) und Barcelona Regional (Barcelona) soll nun eine breite Debatte über eine mögliche Neugestaltung des Rings folgen, so der Plan der Vizebürgermeisterin. "Wir präsentieren erste Gedanken, die als Inspiration dienen sollen. Ich möchte jede und jeden dazu einladen, sich diese Ideen anzusehen und über die Zukunft der Ringstraße zu diskutieren", sagte Vassilakou. Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

Die Richtung legte sie aber fest: Die Straße solle viel stärker als Flaniermeile, Boulevard und vor allem als Begegnungsraum genutzt werden. Als Negativbeispiel nannte sie etwa die Umgebung des Burgtheaters mit viel Asphalt, Parkplätzen und einer Tankstelle. "Das ist ein gutes Beispiel, wie nachlässig wir mit Qualitäten des öffentlichen Raums umgehen", sagte sie.

Konzept ohne Autos

Die Vision eines autofreien Rings hält die Vassilakou für "interessant". Sie kann sich aber auch eine Verkehrsberuhigung vorstellen, bei der die Autos bleiben dürfen. Ein Budget- oder Zeitplan wurde noch nicht erstellt. Vassilakou möchte aber bald mit der Debatte beginnen. Es könne auch eine kontroversielle Debatte sein, sagt sie.

Bei der Vorstellung ihrer Visionen plädierten Henriette Vamberg (Gehl Architects) und Marc Montilleo (Barcelona Regional) für mehr Flanierqualität, großzügigere Verweilareale und weniger Autos. Vamberg kritisierte den Verlauf der Radwege. "Wenn man die Radwege in Kopenhagen so organisieren würde, wird man abgewählt", sagte sie. In ihrem Modell bleiben die Fahrbahnen in der Mitte erhalten. Für die Ränder schlägt sie vor, gepflasterte Flächen - vor allem rund um imposante Gebäude wie Uni, Oper oder Burgtheater - zu schaffen, die als Mischzonen für Fußgänger und Radfahrer dienen.

In Montilleos Vision wurden die Straßenbahngleise nebeneinandergelegt und der Autoverkehr ausgeschlossen. "Normalerweise hat man in einer Stadt nicht so viel Platz. Es gibt auch ein gut funktionierendes Öffi-System. Die Vision ohne Autos ist daher einfacher umzusetzen", sagt er. Der Ring konzipierte er als Fußgängerzone mit Raderlaubnis, Sitzinseln und Piazzas. Damit könnten die wichtigen Institutionen am Ring eine Art Portal erhalten.

Reaktionen zu einer möglichen Verkehrsberuhigung gab es von der Opposition und der Wirtschaftskammer, die befürchten, dass die Geschäftsleute geschädigt werden könnten.