PodcastAussaat ab April in Deutschland, Tschechien. | Stöger kündigt Verbot in Österreich an. | Brüssel. Der neue EU-Gesundheitskommissar John Dalli aus Malta setzt Akzente: Noch keinen Monat im Amt gab er gestern, Dienstag, die EU-Freigabe für den Anbau der gentechnisch veränderten Erdäpfelsorte EH92-527-1 mit dem Handelsnamen Amflora bekannt. Es war die erste EU-Zulassung für die Aussaat einer neuen Gentechnik-Konstruktion seit zwölf Jahren; die Entscheidung wurde von allen EU-Kommissaren einstimmig getroffen.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Kritiker warfen der Kommission umgehend einen Kniefall vor dem deutschen Chemiekonzern BASF vor, der die Amflora-Erdäpfel erfunden hat und die Saat herstellt. Der österreichische Gesundheitsminister Alois Stöger kündigte prompt ein Anbauverbot für Österreich an.
Konkret handelt es sich bei Amflora um eine Industriekartoffel, die besonders viel von jener Stärke enthält, die für die Papierproduktion benötigt wird. Neben dem Anbau und der industriellen Verarbeitung dürfen die Abfälle nach der Stärkegewinnung als Tierfutter verwendet werden und könnten so in die Nahrungskette gelangen.
Bedenklich finden das Grüne und Umweltschützer unter anderem, weil Amflora Resistenzen gegen zwei gängige Antibiotika angezüchtet wurden. Da die EU-Arzneimittelagentur Emea gewarnt hatte, dass diese in Arzneien weit verbreitet seien, hat die Kommission letztes Jahr eine neuerliche Prüfung durch die EU-Lebensmittelsicherheitsagentur Efsa angeordnet. Die hat allerdings noch nie eine gentechnisch veränderte Feldfrucht als bedenklich eingestuft. Sie bewertet die Produkte im Wesentlichen aufgrund von Unterlagen der Hersteller. Die Gutachten gelten der Kommission als wissenschaftliche Grundlage für die Freigabe.
Mais schon angebaut
BASF hat angekündigt, Amflora ab April kommerziell in Deutschland und Tschechien anzubauen. Weitere Verträge gebe es bereits mit Schweden und den Niederlanden. Dalli betonte, dass der Anbau nur geringe Risken für eine Ausbreitung in der Umwelt oder einen Gentransfer berge. Die Bestimmungen für die Nutzung der Erdäpfel seien strikt, vor dem ersten Pollenflug soll geerntet werden.
Auf österreichischen Feldern werde es auch weiterhin keine Genpflanzen geben, sagte Stöger. Schon heute haben Österreich, Frankreich, Ungarn, Griechenland und Luxemburg Anbauverbote für den gentechnisch veränderten Mais Mon810. Die Saat des US-Biotechriesen Monsanto ist bisher die einzige kommerziell verwendete in der EU. Tschechien, Rumänien, die Slowakei, Portugal und vor allem Spanien bauen Mon810 auf mehr als 100.000 Hektar an.
Die Verbote für den Gentech-Anbau stehen aber EU-rechtlich auf schwachen Beinen. Immer wieder hatte die Kommission versucht, sie zu kippen. Dabei war sie mehrfach an einer zu großen Mehrheit der Staaten gescheitert. Schließlich hatte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso eingelenkt und im September zugesagt, dass die Mitgliedsländer künftig selber entscheiden dürften, ob sie Genpflanzen anbauen wollen oder nicht. Dalli kündigte bis zum Sommer Vorschläge für die notwendigen Gesetzesänderungen an.
)
)
)
)