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Guatemalas Innenminister per Interpol gesucht

Von WZ-Korrespondentin Christine Leitner

Politik

Velásquez soll Staatsgelder veruntreut haben. | Seit Dienstag ist er auf der Flucht. | Guatemala Stadt. Nur zehn Tage nach seinem Rücktritt als Innenminister befindet sich Raúl Velásquez auf der Flucht vor der guatemaltekischen Justiz. Der bereits vierte Innenminister der Regierung von Álvaro Colom steht unter dringendem Verdacht, sich in den neun Monaten seiner Amtszeit in großem Stil an Staatsgeldern bereichert zu haben. Der seit Dienstag verschollene Exminister wird nun via Interpol gesucht.


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Gestolpert ist der Flüchtige über die sogenannte "Benzinaffäre": Auf seine Anordnung hin orderte das Innenministerium im vergangenen Oktober Treibstoff für Einsatzfahrzeuge im Wert von umgerechnet 3,5 Millionen Euro. Davon flossen mehrere Millionen auf private Konten im In- und Ausland. Velásquez wird vorgeworfen, sich mit einem Teil des "Benzingeldes" eine Traumvilla in einem Vorort der Hauptstadt finanziert zu haben. Als Kaufsumme für das Anwesen hatte er 937 Euro angegeben, tatsächlich soll er dafür aber 160.000 Euro aus der Staatskasse abgezweigt haben. Geschätzt wird der Wert der Villa übrigens auf über knapp 360.000 Euro.

Polizeichef in Handel mit Drogen verwickelt

Der Fall Velásquez ist nur einer von vielen, der die innenpolitische Krise des mittelamerikanischen Landes verdeutlicht. Nur wenige Tage vor Velásquez’ Verschwinden wurde mit Báltazar Gómez der oberste Polizeichef Guatemalas verhaftet. Gómez wird verdächtigt, in den Drogen- und Waffenhandel, der das Land durchzieht, verwickelt zu sein. Zusammen mit Gómez wurde auch die Chefin der Drogenfahndung, Nelly Bonilla, festgenommen. Nach einer Geheimoperation gegen den Drogenhandel im April des Vorjahres, bei der fünf Polizisten den Tod fanden, sollen die beiden 750 Kilo Kokain abgezweigt und über Mittelsmänner weiterverkauft haben.

Gómez ist bereits der vierte Polizeichef, der in den vergangenen zwei Jahren hinter Gitter wanderte. So sitzt etwa der vormalige Polizeichef Porfirio Pérez wegen der gleichen Delikte ein wie sein Nachfolger: Mit einer Unterschlagung von 98 Kilo Kokain und 350.000 US-Dollar ist die Liste der ihm zur Last gelegten Delikte aber noch vergleichsweise bescheiden.

Der bereits fünfte Innenminister der Regierung Colom heißt nun Carlos Menocal. Menocal ist ein enger Vertrauter des Präsidenten und eigentlich Journalist. Zwar kann der Politneuling keinerlei Erfahrung oder einschlägige Kompetenz vorweisen, es eilt ihm jedoch ein Ruf voraus, der ihn von seinen Vorgänger deutlich unterscheidet: Menocal gilt nämlich als absolut unbestechlich.