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Im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung wurde in die Diskussion um "Zinssenkung oder nicht" von politischer Seite ungewöhnlich deutlich Stellung bezogen: Während Österreichs Finanzminister Karl Heinz Grasser - wie auch sein französischer Amtskollege Laurent Fabius - wiederholt eine Zinssenkung anmahnte, brach auch Spaniens Ministerpräsident Jose Maria Aznar die stille Übereinkunft der Regierungen in der Währungsunion, von Empfehlungen an die EZB abzusehen und sprach sich in einem Beitrag für die "Financial Times" gegen eine rasche Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank aus. Unter dem Titel "Warum eine Zinssenkung falsch wäre" erklärt Aznar, eine expansive Geldpolitik sei kein Ersatz für eine solide Wirtschaftspolitik. Die EZB sollte deshalb bei ihrer Zinspolitik die - in Spanien besonders hohe - Inflation als ihr vorrangiges Ziel im Auge behalten.
Für niedrigere Zinsen im Euro-Raum hatten sich am Dienstag der Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler - deutlich - und US-Finanzminister Paul O'Neill - indirekt - ausgesprochen. Gegen eine rasche Zinssenkung sprach am Mittwoch der Chef der Deutschen Bundesbank, Horst Welteke: Es sei ein "Irrglaube, dass das Wachstum in Europa höher wäre, wenn die Zinsen früher gesenkt worden wären". Es gebe auch "keinen einzigen Hinweis darauf, dass irgendwo in Europa eine Investition unterblieben ist, weil das Geld zu teuer wäre", sagte er der Hamburger "Zeit".
Der EZB-Rat kommt heute, Donnerstag, zu seiner turnusmäßigen Sitzung in Frankfurt zusammen. Die meisten Analysten erwarteten, dass Wim Duisenberg und seine Mannen vorläufig bei ihrer abwartenden "Politik der ruhigen Hand" bleiben und den Euro-Leitzinssatz unverändert bei 4,75% lassen.
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