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"Gutes Echo auf Tulln im Ministerium"

Von Heiner Boberski und Matthias Nagl

Wissen

Gespräch mit dem Rektor der Uni für Bodenkultur (Boku). | "Wiener Zeitung": Gibt es an ihrer Universität Überlegungen in Richtung Zugangsbeschränkungen?


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Hubert Dürrstein: Nein.

Welche Fächer sind auf der Boku besonders gefragt?

Traditionell die Lebensmittel- und Biotechnologie. Gefragt ist auch die Landschaftsplanung und -architektur. Wir haben ein neues Studium eingeführt, Umwelt- und Bioressourcenmanagement, das sehr intensiv nachgefragt ist.

Was raten sie Studierenden an ihrer Uni grundsätzlich für ihr Studium?

Im Augenblick ist sehr wichtig, die neue Studienarchitektur zu vermitteln. Wir sind komplett auf die Bologna-Studienarchitektur umgestiegen. Ich bin ein Verfechter davon, weil sie Möglichkeiten bietet, auf die zunehmenden Veränderungen des Arbeitsmarktes zu reagieren. Das Zweite ist Mobilität. In Zukunft wird einfach erwartet, dass internationale Erfahrung da ist.

Wie sind sie mit der räumlichen Situation auf der Boku zufrieden? Welche Veränderungen streben sie an?

Zwei relativ große Infrastrukturvorhaben sind aktuell, das Technologiezentrum in der Muthgasse und das Universitäts- und Forschungszentrum in Tulln. Das hängt jetzt von der Finanzierung ab. Ich weiß, dass dieses Konzept auch beim Ministerium grundsätzlich auf ein gutes Echo gestoßen ist. Ich glaube, wir sollten hier sehen, dass mit dem Konzept auch die fachliche Schwerpunktbildung verbunden ist. Wir brauchen diese Infrastruktureinrichtungen, um die Boku so zu entwickeln, wie wir es uns vorstellen.

Halten Sie die jetzigen Formen der Mitbestimmung der Universitätsangehörigen für positiv und ausreichend?

Ich glaube in dem Zusammenhang ist wichtig zu lernen, mit der Autonomie umzugehen. Die Universitäten sind angehalten einen Prozess zu durchlaufen, der eine unternehmerische mit der universitären Komponente zusammenbringen soll. Das ist nahezu widersprüchlich. Man muss versuchen, das gemeinsam zu entwickeln, und da prallen natürlich unterschiedliche Positionen aufeinander.

Die Frage der Kommunikation ist schwierig. Wie viel Einbindung ist notwendig? Im Augenblick ist es eine Gratwanderung.

Gibt es Pläne, die Kommunikation zu verbessern?

Die Konzepte, die von uns erarbeitet wurden, sind an die verschiedenen Gremien, gegangen. Möglicherweise zu spät, das kann sein, aber die Unterlagen sind hinausgegangen. Ich glaube, hier ist eine ganze Reihe von Missverständnissen aufgebaut worden. Natürlich kommt hinzu, dass sich ein Rektorat über eine gewisse Zeit in einer Verhandlungssituation befindet und Vertraulichkeit zwischen den Verhandlungspartnern vereinbart wurde. Es ist zumindest nicht meine Vorstellung von Vertraulichkeit, dass ich in dieser Phase alle Informationen in allen Gremien offen weitergeben kann.

Haben sie den Eindruck, dass sich die Kritik auf unzureichende Information konzentriert, oder lehnt man Tulln rein sachlich ab?

Ich würde sagen, da vermischt sich beides. Die Professoren, die von der Entwicklung in Tulln betroffen sind, stehen hinter diesem Konzept. Es wird immer so dargestellt, als wäre das Rektorat der Auslöser gewesen. Das ist nicht so. Ich wurde von den entsprechenden Fachkollegen angesprochen, ob man an so ein Konzept denken könnte. Ich habe gewusst, dass es in Tulln Möglichkeiten gibt.

Mit welchen Argumenten wollen sie bei den Leistungsvereinbarungen mit dem Ministerium zusätzliche Mittel bekommen?

Für technische Universitäten ist es wichtig, Mittel zu haben, um die Basisausstattung sicherzustellen. Die Boku ist im Gegensatz zu anderen Universitäten sehr drittmittelstark - ein Viertel unseres Gesamtbudgets von 100 Millionen Euro kommt aus Drittmitteln, geförderten Projekten und dergleichen. Wenn ich für Forschungsinstitutionen und sonstige Partner attraktiv sein möchte, muss ich eine bestimmte Grundausstattung anbieten können.

Was sind für Sie aussagekräftige Gradmesser für die Leistungen einer Universität?

Ich persönlich sehe in der Ausbildung und dem erfolgreichen Abschluss von Doktoranden ein ganz wesentliches Kriterium, weil das an der Schnittstelle von Lehre und Forschung steht.

Die neue Studienarchitektur mit dem Bachelor bedeutet doch, dass man eine Art künstliches Schmalspurstudium geschaffen hat. Kann man nach sechs Semestern Studium an der Boku ein echter Akademiker sein?

Man muss das System insgesamt sehen. Es gibt Studienangebote, mit denen der Bachelor-Absolvent in den Arbeitsprozess einsteigen kann. Und dann gibt es die Chance, dass er irgendwo einsteigt, sich orientiert und dann sagt: Ich möchte das vertiefen. Auch die Arbeitgeber werden vielleicht ganz junge Mitarbeiter von der Universität holen und dann eventuell sagen: Das ist ein guter Kollege, den möchte ich weiterentwickeln. Wenn er dann wieder an die Universität geht, können wir ihm spezifische Programme anbieten.