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"Habe keine Lorbeeren, nur Arbeit übernommen"

Von Petra Medek

Wirtschaft
Martin Darbo (31) ist seit kurzem der neue Herr über das Tiroler Marmelade-Imperium. Foto: Robert Strasser

Führungswechsel beim Traditions- Marmeladehersteller. | Rückgänge in der Gastronomie. | "Wiener Zeitung":Sie übernehmen im jugendlichen Alter von 31 Jahren einen heimischen Traditionsbetrieb. Wie groß fühlen sich die Fußstapfen Ihres Vaters Klaus Darbo an, der dem Unternehmen seit 1970 vorgestanden ist?


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Martin Darbo: Die Fuß-stapfen sind natürlich groß. Ich sage: Ich habe keine Lorbeeren übernommen, sondern einfach Arbeit. Die Vorgabe des Vaters lautet, dass diese Generation in Europa das schaffen soll, was er in Österreich geschafft hat, sprich: die Marktführerschaft.

Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel. Wann möchten Sie das erreichen?

Da will ich mich nicht festlegen. Aber unsere Ziele liegen ganz eindeutig im Export, vor allem in Deutschland, dem weltgrößten Markt für Konfitüren. Dort werden wir den Marktanteil von 2 Prozent bald überschreiten. Darbo ist dort die am schnellsten wachsende Marke. Russland ist bereits unser zweitwichtigster Exportmarkt.

Welche noch unbearbeiteten Märkte sind interessant?

Wir sind in 62 Ländern weltweit, das heißt, es gibt noch genügend weiße Flecken. Interessant ist aber auch China, dort waren wir in der Gastronomie kurzzeitig schon Marktführer. Wachsen kann man in China nur im Fremdenverkehrsbereich, weil die Chinesen ja keine Marmelade zum Frühstück essen. Doch der chinesische Tourismus durchlebt gerade ein Krise.

Nicht nur der chinesische, auch der österreichische. Wie sehr merken Sie das?

Wir hatten im ersten Halbjahr Rückgänge in der Gastronomie im einstelligen Prozentbereich. Dieses Minus konnten wir aber mit Umsätzen im Lebensmittelhandel kompensieren. Hier profitiert von der Krise neben dem Preiseinstiegssegment das Premiumsegment, zu dem wir uns zählen.

Wie stark wird das Gastronomiegeschäft im Gesamtjahr zurückgehen?

Das kann ich nicht prognostizieren, weil das auch stark wetterabhängig ist. Der Gesamtumsatz wird heuer höchstwahrscheinlich die 100-Millionen-Euro-Marke überschreiten, im ersten Halbjahr gab es ein Plus von 7 Prozent, im Gesamtjahr könnten es 5 oder 6 Prozent sein.

Womit kann ein Marmeladehersteller wachsen?

Mit Produktentwicklungen, etwa 2006 die eingeführte kalorienreduzierte Marmelade. Welche Innovationen noch kommen, sage ich hier nicht, Innovationen plant man jedoch nicht, die Ideen kommen von selber.

Sie haben drei Brüder. Warum ist die Wahl als Nachfolger gerade auf Sie gefallen?

Das haben wir uns familienintern so ausgemacht. Die anderen drei sind auch ins Unternehmen eingebunden, im Export, im Finanz- und Rechnungswesen und in der Produktion.

Essen Sie selbst überhaupt Marmelade?

Ich bin kein großer Frühstücker. Aber zweimal pro Woche verkoste ich im Labor der Fabrik die wöchentliche Produktion.

Das Unternehmen

Der Konfitürenhersteller mit Sitz in Stans/Tirol ging aus einem 1879 von Rudolf Darbo gegründeten Obst-Dampfwerk hervor. 2008 erzielte Darbo mit rund 300 Mitarbeitern einen Umsatz von 99,7 Mio. Euro. Die Exportquote liegt mittlerweile bei 41 Prozent. 40.000 Tonnen Marmeladen, Sirupe und Honige werden jährlich produziert, die Früchte stammen vorwiegend aus Ungarn, Serbien und Polen.