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Hahn wird EU-Kommissar

Von WZ Online

Europaarchiv

Den protestierenden Studenten geht der Ansprechpartner verloren: Johannes Hahn wird Österreichs nächster EU-Kommissar. Darauf hat sich die Regierung heute im Ministerrat verständigt.


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Der 51-jährige Wissenschaftsminister und Wiener ÖVP-Chef setzte sich somit gegen die bisherige Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP), die von der SPÖ unterstützt wurde, sowie gegen ÖVP-Wunschkandidat Wilhelm Molterer durch.

Die Probleme, die Hahn als Wissenschaftsminister hinterlässt, muss nun sein Nachfolger lösen.

Wer ist Johannes Hahn?

Geboren wurde Hahn am 2. Dezember 1957 in Wien. Nach seiner Matura im Jahr 1976 begann er zunächst ein Jus-Studium, schwenkte dann jedoch auf Philosophie um. Der Titel seiner 1987 an der Uni Wien eingereichten Dissertation: "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt".

Diese Arbeit sollte ihm auch eine der schwersten Krisen seiner Amtszeit bescheren, als ihm nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt 2007 der Medienwissenschafter und "Plagiatjäger" Stefan Weber vorwarf, in seiner Dissertation "absolut schlampig gearbeitet" und "seitenweise abgeschrieben" zu haben. Die Uni Wien ging den Vorwürfen nach, verzichtete letztendlich aber auf die Einleitung eines Plagiatprüfungsverfahrens, weil Hahn nie fremdes geistiges Eigentum als sein eigenes ausgegeben habe.

Seine politische Laufbahn startete Hahn in den 1970er Jahren. Zwischen 1980 und 1985 fungierte er als Landesobmann der Jungen ÖVP Wien, 1992 wurde er Landesgeschäftsführer der Partei und blieb bis 1997 in dieser Funktion. 1996 zog er in den Wiener Landtag und Gemeinderat ein, 2003 wurde er nicht amtsführender Stadtrat. Beruflich begann Hahn seine Karriere 1982 in der Bundeskammer der gewerblichen Wirtschaft. Er war auch Vorstandsvorsitzender in der Novomatic AG - und zwar bis zu seiner Angelobung als Stadtrat.

Im Juni 2005 löste er Alfred Finz an der Spitze der Wiener ÖVP ab, und im darauffolgenden Oktober schlug er seine erste Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat. Er eroberte für seine Partei den zweiten Platz von der FPÖ zurück, auch wenn ein großer Rückstand zur SPÖ blieb.

Hahn erhob noch vor einigen Monaten - so wie alle Wiener Oppositionschefs - den Anspruch, Wiener Bürgermeister zu werden. Voraussetzung dafür wäre ein Aus für die absolute SP-Mehrheit bei der Wiener Wahl im kommenden Jahr gewesen - sowie eine Unterstützung durch FPÖ und Grüne. Beide, so hatte Hahn zuletzt beklagt, würden jedoch beim angestrebten Politikwechsel nicht mitspielen. Es folgte ein Rückzug Hahns aus dem "Match" um den Posten des Stadtoberhaupts.

Der verheiratete Vater eines Sohnes sieht sich selbst als liberaler Vertreter seiner Partei. "Ich stehe für modernes Lebensgefühl und humane Urbanität sowie für Offenheit und Freiheit in Politik und Gesellschaft", sagt Hahn, der eine Krebserkrankung überwunden hat, über sich selbst.

Als Minister musste sich Hahn gleich nach seinem Amtsantritt als Krisenfeuerwehr betätigen und die Quotenregelung für das Medizinstudium auf EU-Ebene verteidigen. Das schließlich von der EU-Kommission gewährte fünfjährige Moratorium war für ihn "nicht die optimalste Lösung", er hätte das Thema gerne ganz vom Tisch gehabt.

(APA)