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Haider-Festspiele

Von Peter Bochskanl

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Die intensive Präsenz des orangen BZÖ-Obmanns Jörg Haider im ORF ("ZiB 2" und "Im Journal zu Gast") am Freitag und Samstag brach-te den blauen FPÖ-ObmannH. C. Strache in Rage: Der ORF sei eine "Herz-Lungen-Maschine des BZÖ". Ein Versuch der Selbstüberschätzung einer rechten Gruppe, die derzeit nur laut sein kann, ohne in der Politik auf Bundesebene etwas bewegen zu können.

Auch wenn Haiders Stern im Sinken ist, so ist er doch Obmann der Partei, von der die Regierungsmehrheit abhängt. Daher ist es journalistische Pflicht, ihn und seine Absichten so tief auszuloten wie nur möglich. Und das versuchen die Journalisten nicht nur des ORF, sondern auch der Printmedien. Dass das manchmal dank der Eloquenz des Befragten zur Show für diesen werden kann, muss man in Kauf nehmen. Auch dass Aussagen nachträglich wirksam zugespitzt werden, wobei Nuancen oft unter den Tisch fallen (müssen?).

Das geschickte Bohren der Frager gleitet allerdings oft in eine gewisse Stereotypie ab. Fast immer wird eine mögliche Koalitionskrise als Zielpunkt anvisiert. Einfallslosigkeit, Wunschdenken, politischer Mitgestaltungsversuch oder logischer Sachzwang?

Natürlich wurde auch Karl-Heinz Grasser Sonntag in der "Pressestunde" die stereotype Frage nach dem Wahltermin gestellt, natürlich nannte er den Herbst 2006. Niemand hat erwartet, dass er sich mit einer anderen Antwort ins Knie schießen würde, nur um der Frage ihre gähnende Langeweile zu nehmen. Aber die mögliche Labilität der Koalition war wieder einmal in den Raum gestellt.