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Beim Geld hört die Freundschaft zwischen Haiti und Frankreich auf. Stolze 21,7 Mrd. US-Dollar (rund 19 Mrd. Euro) fordert die Regierung in Port-au-Prince von der früheren Kolonialmacht. Der Betrag entspricht nach den Berechnungen der Haitianer dem heutigen Wert der Summe, die Paris ihnen im 19. Jahrhundert für die Anerkennung der Unabhängigkeit abgepresst habe. "Restitution" heißt es auf den Transparenten, die über den Straßen der Hauptstadt flattern.
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Der Zeitpunkt der Kampagne ist gezielt gewählt: Am 1. Jänner feiert die Karibikrepublik den 200. Jahrestag ihres Bestehens. Aus einem erfolgreichen Sklavenaufstand hervorgegangen, ist Haiti die nach den USA älteste Nation Amerikas. Doch von Feierstimmung ist nicht viel zu spüren. Das ärmste Land der westlichen Hemisphäre ist politisch tief gespalten. Die Oppositionsgruppen fühlen sich von der Regierung von Präsident Jean-Bertrand Aristide verfolgt. Das Ausland hält wegen fehlender rechtsstaatlicher Garantien Hilfsgelder zurück.
Die Restitutionsforderung, die Paris längst zurückwies, ist da aus Sicht der haitianischen Opposition ein purer Akt der Demagogie. Damit wolle Aristide bloß von den Problemen des Landes ablenken, meint Micha Gaillard, eine der führenden Figuren des Oppositionsbündnisses Convergence Democratique (CD). Haiti entwickele sich unter Aristide zu einer verkappten Diktatur.
Eine der Hauptforderungen der internationalen Gemeinschaft ist die Wiederholung der mit Betrugsvorwürfen behafteten Senatswahlen vom Mai 2000. Regierungssprecher Mario Dupuy bekräftigt, man wolle Neuwahlen sobald wie möglich. Nach Ansicht der Opposition sind aber die Voraussetzungen für freie Wahlen nicht gegeben. Ihre Vertreter könnten sich kaum noch in die Öffentlichkeit trauen und daher auch keinen Wahlkampf machen. Mitte Juli sprengten Schlägertrupps eine Kundgebung von Aristide-Gegnern im Armenviertel Cité Soleil - nur einer von vielen Übergriffen gegen friedliche Oppositionelle. "Dieses Land wird von einer Mafia von Schlägern beherrscht", sagt Gaillard. Die Sicherheitslage in Haiti gilt als prekär. Im Juni warf der neue Direktor der Nationalpolizei, Jean-Robert Faveur, 14 Tage nach seiner Ernennung das Handtuch und setzte sich ins Ausland ab. Er fühlte sich von Aristide in seiner Arbeit behindert.
Inzwischen gerät Haiti auch in den Ruf eines Landes, in dem die südamerikanische Drogenmafia frei schalten und walten kann. So soll im Februar ein Drogenflugzeug auf einer Straße nahe der Hauptstadt gelandet sein - nachdem die Polizei diese abgesperrt hatte.
Für die USA ist Haiti ein rotes Tuch. In einer für Diplomaten ungewöhnlich offenen Form kritisierte der scheidende US-Botschafter Brian D. Curran die Zustände im Land. Haiti leide nicht nur an einer politischen, sondern auch an einer moralischen Krise, sagte er bei einer Rede. Auch sein französischer Kollege Yves Gaudeul sparte nicht mit Kritik. In seiner Ansprache zum französischen Nationalfeiertag am 14. Juli ermahnte er Haitis Politiker, ihre eigenen Institutionen und ihre Verfassung zu achten. "Wenn man aus dem Loch heraus will, sollte man als Erstes aufhören zu graben", sagte der Vertreter Frankreichs.
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