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Hamid Karzai ruft zu Versöhnung auf

Von WZ-Korrespondentin Agnes Tandler

Politik

Präsident versprach Kampf gegen Korruption und Drogenwirtschaft. | Internationale Zweifel an Durch- setzungsfähigkeit. | Neu Delhi. Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat am Donnerstag in Kabul seinen Amtseid für weitere fünf Jahre abgelegt, zur nationalen Versöhnung aufgerufen und versprochen, Korruption und Drogenwirtschaft am Hindukusch besser zu bekämpfen und die Verantwortung für die Sicherheit des Landes bis zum Ende seiner Regierungszeit in afghanische Hände zu legen.


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An der feierliche Amtseinführung im opulenten Präsidentenpalast nahmen auch US-Außenministerin Hillary Clinton, Deutschlands Außenminister Guido Westerwelle, Pakistans Präsident Asif Ali Zardari und andere hohen Staatsgäste teil. Angesichts der Gefahr von Terroranschlägen war Afghanistans Hauptstadt fast vollständig abgesperrt worden. Der zivile Flugverkehr wurde für einen Tag ausgesetzt.

Die Amtseinführung von Karzai ist das unrühmliche Ende einer von Manipulation und Massenbetrug überschatteten Wahl, die das Land über Monate hinweg lähmte und die internationale Gemeinschaft vor massive Probleme stellte. Der Westen, der am Hindukusch gegen die aufständischen Taliban kämpft, braucht einen starken und legitimen Partner. Doch während Karzai seine zweite Amtszeit als Präsident beginnt, wachsen die Zweifel an seinem Durchsetzungsvermögen ebenso wie an einem Sieg des Westens in Afghanistan.

USA entscheiden über zusätzliche Truppen

US-Präsident Barack Obama will in den kommenden Wochen seine neue Strategie für Afghanistan vorstellen und entscheiden, ob er weitere 40.000 Soldaten zu den 67.000 bereits stationierten an den Hindukusch schickt.

In seiner Antrittsrede plädierte der 51-jährige Karzai für eine nationale Versöhnung, forderte die Taliban-Kämpfer auf, ihre Waffen niederzulegen und versprach, eine "loya jirga", eine große Ratsversammlung nach afghanischer Tradition einzuberufen. "Dauerhafter Frieden und ein Ende des Kampfes" sei das wichtigste Verlangen der afghanischen Menschen, erklärte er.

Außerdem versprach Karzai, die ausufernde Korruption und den Opiumanbau am Hindukusch zu bekämpfen. Afghanistan gilt als eines der korruptesten Ländern der Erde. Hier werden 95 Prozent des weltweit verfügbaren Opiums angebaut; der Handel mit dem Schlafmohn gilt als Haupteinnahmequelle der Taliban.

Doch Karsai hat bereits in der vergangenen Amtszeit wenig ausgerichtet, um die Sicherheitslage zu stabilisieren und die Wirtschaft nach Jahrzehnten des Krieges und der Zwangsherrschaft der Taliban wieder in Schwung zu bringen. Daher steht er in seiner zweiten Amtszeit unter großem Druck: Der Wiederaufbau des Landes geht nur schleppend voran. Auch die Ausbildung von Polizei und Armee, die eigentlich die Aufgaben der alliierten Truppen langfristig übernehmen sollten, läuft nur langsam. Weil im Westen die Zweifel am militärischen Engagement in Afghanistan wachsen, wird die Übernahme der Sicherheitsaufgaben durch afghanische Kräfte immer dringender.

Die Erklärung von Karzai, in fünf Jahren die Kontrolle von Armee und Polizei unter afghanische Verantwortung zu stellen, steht damit in Einklang. Auch US-Präsident Obama hat versprochen, bis zum Ende seiner Amtszeit 2014 den Afghanistan-Krieg zu beenden.