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Handel hat keinen Grund zum Jubeln

Von Christine Zeiner

Wirtschaft

7% weniger Umsatz im Weihnachtsgeschäft bis inklusive dem vierten Adventsamstag: "Der Handel im Wandel der Zeit - viel Trubel und wenig Jubel, so könnte man das diesjährige Geschäft zusammenfassen", so der Kommentar von Erich Lemler, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).


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"Die Erwartungen des Handels wurden nicht erfüllt", sagte Lemler am Dienstag in einer Pressekonferenz. Von der Hoffnung, zumindest ein kleines Plus zu erzielen, wird sich der Einzelhandel verabschieden müssen. Die Kundenfrequenz hat Lemler zufolge zunächst getäuscht: "Wir haben viele Schauer, aber nicht viele Käufer verzeichnen können, und auch das Konjunkturpflänzchen, das sich da und dort bemerkbar gemacht hat, hat sich im Handel nicht niedergeschlagen." Die Anzahl der (kaufenden) Kunden ging laut einer Trendumfrage der KMU Forschung Austria im Vergleich zum Vorjahr um 8% zurück. Handelsforscher Peter Voithofer führt das unter anderem auf folgende Gründe zurück: Es gebe immer weniger Jugendliche unter 15 Jahren, und Weihnachten sei nun einmal das Fest der Kinder, zum anderen spielte auch der Beginn des Ausverkaufs bzw. der "Aktionitis" eine wesentliche Rolle für das flaue Geschäft. Das Wetter habe das Übrige getan: "Wenn der Schnee spät kommt, spüren das nicht nur die Sportartikelhändler, sondern auch die Schuh- oder die Modebranche", beschrieb Lemler das Einkaufsverhalten.

Einziges Plus: Spielwaren

Die größten Umsatzrückgänge verzeichneten der Bekleidungshandel (nominell minus 10% gegenüber 2002), der Lederwaren- sowie der Schuhhandel (jeweils minus 14%).

Einzig der Spielwarenhandel übertraf bisher das Vorjahresergebnis: Nominell plus 1% verbuchten die Spielwarengeschäfte im Vergleich zum vergangenen Jahr. Voithofer meint, dass das Ergebnis real betrachtet noch besser ausschauen könnte - "Schuld" an nur 1% Zuwachs seien die Preisreduktionen. Auch bei vielen Produkten des Elektrohandels ist der durchschnittliche Verkaufspreis im Jahresvergleich gesunken, allen voran im Bereich der Digitalkameras. Deshalb habe es, obwohl der Verkauf von DVD-Geräten und Digitalkameras boome, ein Umsatzminus in der Elektrobranche und bei Fotohändlern gegeben.

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke sind Textilwaren, gefolgt von Büchern, Gutscheinen, Spielwaren, Selbstgemachtem und Kosmetik. Auf Platz 6 rangiert Geld, geht aus der Umfrage hervor. Die Erfahrung der vergangenen Jahre habe gezeigt, dass ein Teil des Bargeldes und der Geschenke noch im Dezember in den Einzelhandel fließen, so Voithofer. Große Bedeutung habe auch das sogenannte "Nach-X-Mas-Shopping" erlangt: "Bei einigen Unternehmen ist der Samstag nach Weihnachten der umsatzstärkste Tag", berichtete Voithofer.

Hoffen bis zuletzt

Der Handel hofft auf die "Late-Buyers", jene Konsumenten, die in den letzten Tagen vor Weihnachten ihre Geschenke besorgen. Dennoch glaubt Voithofer nicht, dass daraus noch ein signifikantes Plus für das Weihnachtsgeschäft zu Stande kommt.