Zum Hauptinhalt springen

Handelsriese musste wenig bluten

Von Hermann Sileitsch

Wirtschaft

EU-Auflagen für Rewe: 107 Adeg- Geschäfte gingen an die Konkurrenz. | Wilder Preiskampf in Deutschland. | Salzburg/Wien. Österreichs größter Lebensmittelhändler Rewe hat die EU-Auflagen für die Adeg-Übernahme laut Eigenangaben binnen 15 Monaten erfüllt. Der deutsche Lebensmittelriese - in Österreich mit Billa, Merkur, Penny und der Drogeriekette Bipa vertreten - stockte seinen Adeg-Anteil von knapp 25 auf 75 Prozent auf. Im Gegenzug hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter jedoch im Juni 2008 verlangt, dass Rewe in 28 Bezirken Geschäfte abgeben muss.


Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 16 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.

Grund ist die hohe Marktkonzentration: Die großen Drei (Rewe, Spar und Hofer) teilten sich 2008 schon mehr als 80 Prozent des Gesamtumsatzes.

Nah&Frisch holt sich die meisten Standorte

Insgesamt wurden 107 Adeg-Standorte abgegeben - vor allem im Osten und Südosten des Landes, teilte Rewe bei der Adeg-Herbstmesse in Salzburg mit.

Davon wurden 21 Adeg-eigene Filialen verkauft (darunter drei Magnet-Märkte). Bei 71 Standorten wechselten Adeg-Kaufleute zu anderen Organisationen, 9 gaben ihr Geschäft auf.

Da in Summe zu wenige Adeg-Kaufleute wechselwillig waren, musste Rewe darüber hinaus auf 15 eigene Billa-Filialen und einen Penny-Standort verzichten.

Adeg ist somit innerhalb der Rewe eine reine Großhandelsorganisation, die selbständige Kaufleute beliefert. 25 Prozent besitzt die Genossenschaft der Adeg-Kaufleute.

Der Adeg-Deal bringt in Österreichs Handelslandschaft ein wenig Bewegung: Rewe-Rivale Spar profitierte zwar nur von vier neuen Märkten. Größter Nutznießer waren die Großhändler der Nah&Frisch-Gruppe, die 56 Adeg-Standorte übernahmen. Am stärksten zugegriffen hat die Firma Pfeiffer aus Traun (Oberösterreich), die sich 22 Standorte sicherte. In Summe 34 Adeg-Märkte gingen an die weiteren Nah&Frisch-Lieferanten Kastner, Kiennast und Wedl. Das Tiroler Familienunternehmen MPreis übernahm 20 Standorte.

Trotz eines Aderlasses von 160 Millionen Euro Umsatz sieht sich Rewe gestärkt: Adeg hatte im vergangenen Jahr einen Brutto-Umsatz von 983 Millionen Euro erwirtschaftet.

Deutschland: Diskonter drücken die Preise

In Deutschlands Lebensmittelhandel tobt unterdessen ein nie dagewesener Preiskampf: Anfang Oktober senkte der Billiganbieter Aldi - in Österreich unter der Marke Hofer vertreten - die Preise für etliche Lebensmittel, von Käseaufschnitt bis hin zu Champagner. Es war bereits Deutschlands zehnte Preissenkungswelle in diesem Jahr - einzelne Produkte sind um ein Fünftel günstiger geworden. Die Aldi-Konkurrenten zogen umgehend nach.

In Österreich ist ein vergleichbarer Effekt bisher nahezu ausgeblieben. Funktioniert der Wettbewerb wegen der hohen Marktmacht einiger Weniger nicht richtig?

Österreichs Handel befinde sich innerhalb Europas in der Gruppe von kleineren Ländern mit hoher Marktkonzentration, erklärt dazu Wifo-Handelsexperte Michael Wüger. Dazu zählt er neben den skandinavischen Ländern noch die Schweiz und Belgien.

Innerhalb dieser Gruppe sei Österreich eher ein Ausreißer nach unten, die heimischen Preise seien noch relativ stabil: Ein Indiz, dass sich die großen Drei doch einen scharfen Wettbewerb liefern. Noch - denn Wüger fügt hinzu: "Das kann sich auch ändern."

Mit der deutschen Handelslandschaft sei der heimische Markt freilich nicht vergleichbar: Für Preisvergleiche sei nämlich nicht allein die Konzentration entscheidend - es zählten auch Faktoren wie Ernährungskultur, Kaufkraft und die unterschiedliche Marktstellung der Diskonter.