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Rund 20 Personen sind beim Projekt des Anton-Proksch- Instituts tätig. | Vermittlungsquote beträgt fast 60 Prozent. | Produkte werden aus Altmaterialien hergestellt. | Wien. Wenn man die Näh-Werkstatt von Gabarage betritt, könnte man fast glauben, dass man in einer "normalen" Schneiderei ist. Obwohl auch hier Stoffe zurechtgeschnitten werden und die Nähmaschinen unermüdlich rattern, ist dem aber nicht so. Gabarage ist nämlich ein sozial-ökonomischer Betrieb des Anton-Proksch-Instituts, der ehemalige Suchtkranke wieder fit für das Leben nach Alkohol und Drogen machen soll.
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"Zu uns kommen die Leute nach einer abgeschlossenen Langzeittherapie", sagt Gabarage-Marketingleiter Daniel Strobel im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Bis zu maximal zwölf Monate können die "Transitmitarbeiter" in der Schneiderei oder in der "Allroundwerkstatt", wo etwa Möbel hergestellt werden, tätig sein. Bis zu 25 Menschen, die in der Regel zwischen 25 und 40 Jahre alt sind, können in den Werkstätten auf einmal arbeiten - im Durchschnitt seien es an die 20, erklärt Strobel.
Nach einem Jahr fit für neuen Job
Die ehemaligen Suchtkranken durchlaufen in der Zeit, in der sie bei Gabarage tätig sind, alle Werkstätten und auch den Verkauf. Die Mitarbeiter erhalten dabei einen normalen Arbeitsvertrag und werden nach dem entsprechenden Kollektivvertrag entlohnt, erklärt Strobel, der hinzufügt: "Im Optimalfall sind die Leute nach einem Jahr bereit für den Einstieg in das normale Arbeitsleben." Unterstützt werden sie dabei von Psychologen und einem fünf-stufigen Qualifizierungsprogramm. Dieses wird von einer externen Unternehmensberatung zertifiziert.
Nach ihrer Zeit im Sozialprojekt arbeiten die ehemaligen Suchtkranken aber nicht immer in dem Bereich, in dem sie bei Gabarage tätig waren. Gerade bei den Beschäftigten aus der Nähwerkstatt sei es "nicht so leicht", weil es nur noch wenige Schneidereien in Österreich gebe, meint Strobel.
Im besten Fall absolvieren die Mitarbeiter bereits während ihrer Zeit bei dem Sozialprojekt ein Praktikum in einem Betrieb, erklärt der Marketing-Verantwortliche. Die Vermittlungsquote liege bei rund 60 Prozent. Allerdings, so Strobel, "können wir nicht mitverfolgen, wie lange die Leute dann tatsächlich bleiben".
Neben der Wiedereingliederung der ehemaligen Suchtkranken zeichnet Gabarage auch noch aus, dass die Rohstoffe für die Taschen und Möbel nicht mehr benötigte und teilweise schon entsorgte Materialien sind. Oft werden die Materialien von Ausstellungen oder Museen zur Verfügung gestellt, aber auch Firmen spenden die Rohstoffe. In vielen Fällen werden dann daraus Werbegeschenke für die Spender-Firma hergestellt, wie Strobel erklärt.
Die Abnehmer der Produkte sind in der Regel Großkunden wie Amnesty International, Ottakringer oder die Casinos Austria. Abhängig vom Material kann eine Bestellung bei 25 bis 400 Taschen liegen. Entworfen werden die Taschen dann von einem der zwei Freelance-Designer. "Was nicht geht, ist, wenn man mit einem Schnittmuster kommt", betont Strobel.
Bestseller sind Taschen und Schmuck
Gegründet wurde Gabarage im Jahr 2002, und seit dieser Zeit habe es ein "nicht unbeträchtliches Wachstum" gegeben. Zurückzuführen sei das nicht zuletzt darauf, dass "Nachhaltigkeit in aller Munde ist", meint der Marketing-Verantwortliche. Allein im Vorjahr setzte das Sozialprojekt rund 200.000 Euro um. Hauptumsatzbringer seien die Taschen, aber auch Schmuck und Kegelvasen würden sich gut verkaufen.
Preislich bewegt sich Gabarage dabei unter dem Niveau der Konkurrenz. So kommt eine Umhänge-Tasche aus alten Lkw-Planen auf rund 80 Euro. Zum Vergleich: Eine Tasche des Schweizer Kult-Labels Freitag gibt es ab 95 Euro.

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