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Harte Bewährungsprobe für die CDU

Von Wolfgang Schmidt

Politik

Endlich am Ziel: Peter Harry Carstensen ist am Mittwoch zum neuen Regierungschef Schleswig-Holsteins gewählt worden. Der CDU-Politiker hat wie seine gescheiterte SPD-Kontrahentin Heide Simonis ein Wechselbad der Gefühle hinter sich.


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Am Abend der Landtagswahl am 20. Februar ließ sich der CDU-Landeschef schon als neuer schleswig-holsteinischer Ministerpräsident feiern. Doch dann fehlten 735 Stimmen für die FDP und damit für eine CDU/FDP-Mehrheit.

Trotzig trat der 58-Jährige am 17. März gegen Simonis an und rang ihr bei der spektakulären Ministerpräsidentenwahl mit Hilfe eines SPD-Abweichlers ein Patt ab. Nun will er an der Spitze einer großen Koalition das strukturschwache und hoch verschuldete Bundesland in eine bessere Zukunft führen.

Landtags-Wahlkampf und Koalitionsverhandlungen haben den lebensfrohen Carstensen spürbar verändert. Ließ er sich vor zwei Jahren noch gern mit Sprüchen wie "Ein Fauler hat das Rad erfunden" zitieren, ist er jetzt ganz anders gefordert. "Ich habe mir einen Arbeitstag angewöhnt, bei dem ich Langeweile kriege, wenn er kürzer ist als zwölf Stunden", sagt der bodenständige Nordfriese heute.

Er hat in den vergangenen Monaten ohnehin viele verblüfft. Nach einer beispiellosen Pannenserie im Vorwahlkampf war er für viele abgeschrieben - er belehrte sie eines Besseren. Mit dem Patt gegen Simonis gelang ihm nach dem überraschenden Erfolg bei der Landtagswahl binnen vier Wochen der zweite große Coup. Sein Motto "Das Leben ist schön" hatte sich für den auf seiner Heimatinsel Nordstrand fest verwurzelten Carstensen wieder bestätigt.

Dass er die ihm in den Umfragen vorauseilende Simonis überflügeln konnte, war fast eine Sensation. Zu klar schien die SPD vorne zu liegen, zu lang war die Liste von Pleiten, Pech und Pannen, die sich die CDU unter Carstensens Regie geleistet hatte.

Diese Liste reichte von Querelen um das Frauenquorum auf der Landesliste über eine angebliche "Brautschau" via "Bild"-Zeitung bis zur missglückten Präsentation eines Schattenkabinetts. Die Umfragewerte stürzten ab. Im Dezember letzten Jahres fiel selbst der geborene Optimist ins Stimmungstief, aus dem er sich dann befreite. Als die Chance am kleinsten schien, nahm Carstensen einen neuen Anlauf. Er gewann das einzige TV-Live-Duell mit Simonis und kurz darauf die Wahl.

Den Weg in die Landespolitik fand der verwitwete Vater von zwei erwachsenen Töchtern spät - 2002 mit der Wahl zum Landesvorsitzenden. Zuvor hatte er sich seit 1983 im Bundestag als Agrarspezialist einen Namen gemacht. In dieser Rolle holte ihn auch Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber zur Bundestagswahl 2002 in sein Führungsteam. Ein Jahr nach der Wahl-Niederlage Stoibers proklamierte die Nord-CDU Carstensen zum Spitzenkandidaten. dpa