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Häschenkapelle auf der "Titanic"

Von Christina Böck

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Man hätte gleich auf Larry Flint hören sollen. Als vor etwas mehr als einem Jahr die Entscheider des auflagenschwächelnden Nackedei-Magazins "Playboy" beschlossen, man werde fortan auf Nackedeis verzichten, hat sich der Konkurrent vom Nackedei-Magazin "Penthouse" zu Wort gemeldet. Das sei ja, als würde man die Liegestühle an Deck der "Titanic" noch neu arrangieren. Über seinen Rivalen Hugh Hefner, bekanntlich Herr über die Häschen, sagte er: "Mir ist schon klar, dass er alt ist, aber mir war nicht klar, dass er seinen Verstand verloren hat. Wie kannst du denn die wichtigste Zutat deines Magazins einfach wegwerfen?", so Flynt fassungslos.

Nun, er kann sich wieder beruhigen. Denn der "Playboy" hat seine Entscheidung rückgängig gemacht. Also: Schluss mit keuscher Zurückhaltung, Freiheit für blankes Silikon. Cooper Hefner, Sohn von Hugh und Kreativchef des Hefts, twitterte, dass es falsch gewesen sei, Nacktheit aus dem Magazin zu verbannen: "Nacktheit war nie das Problem, weil Nacktheit kein Problem ist." Das war freilich auch gar nicht das Argument, mit dem der "Playboy" die neue Prüderie eingeläutet hatte. Es gäbe ohnehin genug nackte Haut im Internet, hieß es. Ein recht resignativer Zugang im Kampf Print gegen Digital.

Die Neuentdeckung der eigenen Identität dürfte beim "Playboy" auch damit zu tun haben, dass man einen Käufer sucht. Und wenn schon sonst nicht mehr viel Attraktives übrig ist an der Marke mit den Häschen, dann wenigstens ihre legendäre Freizügigkeit. Oder, um in der "Titanic"-Metapher zu bleiben: Einmal noch die Kapelle auf dem Deck spielen lassen. Ohne Hoserl.