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Hauptsache, es geht uns nicht gut

Von Simon Rosner

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Marcel Koller ist immer nett und sachlich. Aber langsam, das hört man bei der einen oder anderen Aussage, geht ihm der österreichische Negativismus auf die Nerven. "Hier stand schon im Vorfeld immer nur das Negative im Vordergrund. Dass wir nur einmal in Klagenfurt gewonnen haben, dass nur Jimmy Hoffer hier getroffen hat. Man muss aber nicht immer nur das Negative sehen", sagt Koller. Er hat damit natürlich recht, aber wir Österreicher tun es halt so gerne, vor allem beim Fußball. Vermutlich werden sich auch heute mehr Menschen über die Leistung von Marko Arnautovic ärgern als über die Darbietung von David Alaba freuen. So ist es halt.

Es ist absehbar, dass der Bayern-Legionär jener Nationalspieler sein wird, an dem die Fans in Zukunft ihre Hoffnungen festzurren. So wie sie das einst mit Toni Polster, Andreas Ivanschitz und auch Marko Arnautovic getan haben. Das ist prinzipiell gefährlich, eben wegen des hierzulande so beliebten Brauchtums, das Negative zu betonen. Alle einstigen Hoffnungsträger wurden irgendwann einmal ausgepfiffen, am Mittwoch ist es auch Arnautovic passiert. Wird es auch mit Alaba passieren? Irgendwann? Heute scheint das undenkbar, am Mittwoch wurde er bei seiner Auswechslung frenetisch bejubelt. Und das auch zu Recht. Was aber, wenn er einmal ein Tief hat und schlecht spielt?

Im Gegensatz zu Alaba ist bei Arnautovic das Problem, dass er ein Grenzgänger ist. Ein einziges Mal blitzte gegen Finnland sein Können auf, das ist viel zu wenig. Und offenbar hat er seine Emotionalität nach wie vor nicht im Griff. Wenn seine erste Aktion nicht glückt, kann’s passieren, dass danach gar nichts mehr geht. Vielleicht ist Marko Arnautovic ein Sinnbild für die negativistische Grundeinstellung im österreichischen Fußball. Man baut sich nicht am Gelungenen auf, sondern weidet sich am Unglück.