)
Hausarztmodelle können nur funktionieren, wenn die Kompetenzen bereinigt werden - dazu braucht es Gemeinden, Länder, verschiedene Ministerien, Kassen und mutige Politiker.
Hinweis: Der Inhalt dieser Seite wurde vor 15 Jahren in der Wiener Zeitung veröffentlicht. Hier geht's zu unseren neuen Inhalten.
Als ich für "Die Zeit" einen Artikel zum Thema Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft schreiben sollte, verwendete ich das Wort: "Hausarztmodelle". Der Redakteur teilte mit, das müsse erklärt werden, weil das niemand verstehe. Wenigstens das dürfte sich anlässlich der jetzigen Diskussion ändern. Mit etwas Glück, schafft es das Thema zu einer gewissen Breitenakzeptanz.
Es ist an der Zeit zu fragen, warum warum hierzulande erst etwas diskutiert werden muss, das anderswo bereits seit Jahrzehnten gute Praxis ist.
Schauen wird einfach in die Realität. Unser Bild vom Hausarzt stammt aus den Nachkriegsjahren. Damals herrschte Ärztemangel, vor allem bei Fachärzten. Um die Versorgung aufrechtzuerhalten, durften Praktiker quasi alles. Und selbst in den 1980er Jahren gab es noch Landärzte, die Geburtshilfe leisteten. Unser Hausarzt war also sehr breit aufgestellt - und das lange Zeit zu recht.
Aber seit wenigstens zwanzig Jahren ist das anders. Die Ärztedichte ist international am höchsten und Spitalsambulanzen liefern eine Spezialversorgungsbreite, wie sonst nirgendwo. Es ist nicht mehr nötig, dass Hausärzte alles können und dürfen. Zudem hat sich die Bevölkerungsstruktur geändert. Solange die Bevölkerung jung und gesund war, musste der Hausarzt anderes leisten als heute, wo zunehmend alte, und immobile Patienten zu versorgen sind.
Kurz, das alte Bild vom Hausarzt hat ausgedient. Und hier kommen wir zum Kernproblem. Die Politiker, wissen einfach nicht, was sie mit dem Hausarzt noch anfangen sollen. Genau genommen, braucht man keine mehr (glaubt man). Und aufbauend auf einem Gesetz (ASVG), das niemand mehr versteht, und von Einzelinteressen zur Fratze verzerrt wurde, ist die Entwicklung eines neuen Bildes kaum möglich.
International will man von Hausarztmodellen, dass möglichst viele gesundheitlichen Probleme Vorort adressiert werden. Das Stichwort lautet "gesundheitlich" nicht "medizinisch", denn das wäre eine Einschränkung. Hausärzte sollten niedrigschwellige Leistungen aus allen Bereichen der Gesundheitsversorgung, von Prävention bis zur Pflege, anbieten (nicht bloß koordinieren) können, nicht nur Heilbehandlung, wie es das ASVG vorsieht.
Prävention für alte Menschen (zum Beispiel Heimhilfen, damit Patienten nicht wegen häuslicher Verwahrlosung krank oder zum Pflegefall werden), die eben die wichtigste Patientengruppe heute darstellen, hat mit Heilbehandlung wenig zu tun. Selbst Rehabilitation, wenn sie darauf abzielt alte Menschen möglichst lange in ihrer Selbständigkeit zu unterstützen (aktivierende Pflege) ist ihr nicht zuzurechnen. Und trotzdem gehören all diese Dinge zum Hausarzt, wie er sein sollte.
Aber genau dort besteht ein Kompetenzwirrwarr zwischen Gemeinden, Ländern, verschiedenen Ministerien und Kassen. Dass hier ein Hausarzt wirklich steuernd eingreifen kann, setzte eine Strukturreform voraus. Der Erfolg eines Hausarztmodells wird unter anderem daran gemessen, ob unnötige Spitalsaufenthalte und Facharztüberweisungen weniger werden. Damit werden die Interessen der Länder und Fachärzte direkt betroffen - Einsparungen könnten zu ihren Lasten gehen. Es ist schwer vorstellbar, dass, das dem Hausarzt in der Realität erlaubt würde - ohne Strukturreform.
Will man also wirklich Hausarztmodelle, muss man das System umbauen. Alles andere wäre eine österreichische Lösung!
Dr. Ernest G. Pichlbauer ist unabhängiger Gesundheits ökonom und Publizist.

)
)
)