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Hausverlosung: Schlechte Chancen, hohe Risken

Von Stephanie Dirnbacher

Wirtschaft

Experten glauben an Medien-Hype und rückläufigen Trend. | Finanzministerium zerstreut Bedenken der Notare. | Wien. Heute, Dienstag, wird einer der glückliche Gewinner einer Kärntner Traumvilla sein - und dafür vielleicht nur 99 Euro gezahlt haben. Bei der Hausverlosung, die zahlreiche Nachahmer animiert hat, ist bisher alles glatt gelaufen. Die 9999 Lose zu je 99 Euro wurden an den Mann gebracht.


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Doch die Chancen auf einen Gewinn der Villa stehen mit 1:9998 ziemlich schlecht. Dass sich trotzdem so viele Interessenten gefunden haben, führt Anton Holzapfel, Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilientreuhänder, einerseits auf den Spieltrieb der Menschen zurück. Andererseits hätten auch die Medien ihr Schäuflein zum Erfolg der Verlosung beigetragen. "Das ist alles ein medial unterstützter Hype", analysiert Holzapfel im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Diese Meinung teilt auch Christian Fuchs von der Rechtsanwaltskanzlei Holzmann, die zur Zeit eine Hausverlosung in Tirol abwickelt. "Der Medienboom kommt den Verlosern entgegen", sagt Fuchs. Ohne das große Öffentlichkeitsinteresse würden die Kosten für den Verloser viel höher sein. "Da muss man ja das ganze Marketing selber machen", gibt Holzapfel zu bedenken.

So sind sich die Experten auch einig, dass der Trend rückläufig ist. Für künftige Nachahmer könnte das einen bitteren Beigeschmack haben. So könnten sie auf den Losen sitzen bleiben und trotzdem die Rechtsgeschäftsgebühr von zwölf Prozent des Wertes aller ausgegebenen - nicht bloß der verkauften - Lose zahlen müssen. Diese Gebühr wird ab dem ersten verkauften Los fällig und muss bis zum 20. Tag des Folgemonats an das Finanzamt abgeführt werden. Man bekommt sie selbst dann nicht mehr zurück, wenn die Verlosung nicht stattfindet und alles rückabgewickelt wird.

Gefahr für Veranstalter

Auch sonst sind Verlosungen für die Eigentümer nicht gerade billig. Diese müssen ihre Berater und einen Notar für die Losziehung zahlen. Darüber hinaus wird in den Vertragsbedingungen regelmäßig vereinbart, dass der Veranstalter auch die Grunderwerbsteuer begleicht. Diese macht 3,5 Prozent des Wertes aller verkauften Lose aus.

"Der Verloser setzt sich einem Risiko aus", weiß der Notar Dieter Kinzer, der mit einer Hausverlosung am Semmering betraut ist.

Dass Hausverlosungen trotz Risken wie Schwammerl aus dem Boden schießen, begründen die Eigentümer damit, dass sie die Häuser wegen deren hohen Wertes nicht am freien Markt anbringen würden.

Das Finanzministerium (BMF) stößt sich am momentanen Trend jedenfalls nicht. Immerhin sieht es bei einer einmaligen Verlosung durch eine Privatperson keinen Verstoß gegen das Glücksspielgesetz. Auch die Befürchtung der Notariatskammer, die Verlosungen könnten strafbar sein, teilt BMF-Sprecher Harald Waiglein nicht. Mit dem Verbot im Strafgesetzbuch könne "nur illegales Glücksspiel" gemeint sein, so Waiglein. Eine Hausverlosung, die nach dem Glücksspielgesetz erlaubt ist, würde auch nicht strafbar sein.

Anders sieht es der Strafrechtsexperte Helmut Fuchs von der Universität Wien. "Die Verlosungen sind sehr bedenklich, weil der menschliche Spieltrieb ausgebeutet wird. Der Schutzzweck der strafrechtlichen Bestimmung ist, das zu verhindern", erklärt der Professor. Er sieht keinen Unterschied zu "6 aus 45".

Wer an einer Hausverlosung teilnimmt, sollte sich jedenfalls informieren, ob und welche Gebühren er zu zahlen hat. Die Arbeiterkammer (AK) rät zur Skepsis: Wer meint, mit einem Los vergleichsweise wenig Geld für ein Haus zu investieren, solle sich klar machen, "dass hundert Euro das Ernährungsbudget für etwa zehn Tage des Durchschnittshaushaltes sind", betont AK-Experte Karl Kollmann. Probleme könnte es auch bei Mängeln des Hauses geben. Denn eine Gewährleistung ist in den Verlosungsbedingungen oft ausgeschlossen.