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Heiliges Land im Bordell

Von Francesco Campagner

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Schlüpfrige Themen sind bei den diversen TV-Sendern beliebt. Von FKK in Sylt über das Nachtleben auf Mallorca bis zur Alpengaudi im Ösi-Land wird von RTL2 & Co all dies abendfüllend gezeigt, was der moderne Couchpotato gerne erleben möchte. Dass man auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen durchaus solche Themen anpacken kann, ohne auf den Voyeurismus der Zuseher zu setzen, bewies am Dienstag ein "Am Schauplatz nachgefragt" in ORF 2. In der Reportage von Ed Moschitz wurde der Kampf der Tiroler gegen Bordelle im "heiligen Land" beleuchtet. Dabei ließ man die Protagonisten viel erzählen und ließ das Erzählte wirken. Das Bild, das man als Zuseher gewann, war äußerst ambivalent. Einerseits glaubte man sich in einen Heimatfilm der schlechteren Sorte zu befinden, andererseits war man schlichtweg sprachlos ob der ländlichen Befindlichkeiten. Etwa wie eine Dorfbewohnerin regelrecht schockiert war, als sie erfuhr, dass einige Politiker ein Bordell genehmigt hatten und sich unter ihnen auch ein Vertreter der örtlichen Volkspartei befand, und dies mit unzähligen "Pfui" kommentierte.

Warum "brave" Familienväter plötzlich zu Bordellbesitzer werden, wurde nur indirekt angesprochen - genauso wenig die Lebensbedingungen der "Bardamen", die Involvierung der Unterwelt und die Beweggründe der Besucher. Was in RTL2 normalerweise entweder zum schlüpfrigen Alpenspaß oder zum Mafia-Schocker ausgebaut wird, war im ORF eine Kurzimpression mit fahlem Nachgeschmack.