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Heilung bei Knieverletzungen

Von Matthias Bertold

Wissen

Der Leiter der orthopädischen Abteilung der Privatklinik Grinzing, Michael Vitek, präsentierte gestern in Wien sein bewährtes Knieoperations-Konzept und Zukunftsvisionen einer vollständigen Heilung abgenützter oder verletzter Kniegelenke. Die derzeit so häufig eingesetzten Kniegelenksprothesen sollten dann der Vergangenheit angehören.


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Für den Primarius ist das oberste Ziel bei der Behandlung abgenützter Kniegelenke die Erhaltung des eigenen Kniegelenks. In Grinzing bediente man sich bisher einer Stufentherapie: Zunächst werden schmerzlose und belastungsarme Behandlungsformen wie Lebens- und Sportberatung, Gewichtsabnahme und physikalische Behandlungsarten eingesetzt.

Wenn diese nicht zum gewünschten Erfolg führen, greift man zu härteren Mitteln wie Kniepunktionen, knorpelaufbauenden oder kortisonhaltigen Injektionen. Sollte sich auch diese "konservative" oder nicht-operative Behandlung nicht bewähren, ist es - nach Vitek - notwendig, das Kniegelenk einer operativen Gelenkspiegelung (Arthroskopie) zu unterziehen:

Unter Einsatz kleinster Instrumente (z.B. Saugfräsen oder des OP-Lasers) werden abgestorbene Meniskus- oder Knorpelteilchen entfernt. Ebenso wird mit zarten Bohrungen oder sogenannten "Anfrischungen" Knorpelersatzgewebe ins Kniegelenk eingebracht, das mit knorpellosen Oberflächen verwächst.

Dabei handelt es sich jedoch nicht um Originalknorpel, sondern um knorpelähnliches und weniger belastbares Gewebe. Dieser Nachteil könnte aber, so Vitek, bald der Vergangenheit angehören: Nach einer neuen - in Italien entwickelten - Methode bedient man sich eines Knorpelgerüsts aus Hyaluronsäure (das ist die natürliche Knorpelsubstanz) in Form eines Vlieses, in welchem eigens gezüchtete und vermehrte Knorpelzellen eingesetzt werden.

Mit Hilfe dieses Vlieses sei es möglich, Defekte auszufüllen und sogar gänzlich knorpellose Gelenksstellen zu überziehen. Dank dieser Methode könnte man in naher Zukunft Kniegelenke vollständig heilen und auf den Einbau künstlicher Gelenke weitgehend verzichten, schloss der Mediziner optimistisch.