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Heimische Hoteliers im Dauerspagat

Von Erika Bettstein

Wirtschaft

Glückwünsche für die hervorragende Organisation des Jahreskongresses der Österreichischen Hoteliersvereinigung (ÖHV) konnte Präsident Helmut Peter am Schluss der dreitägigen, intensiv informativen | Veranstaltung einheimsen. Die TourismusunternehmerInnen haben im verschärften internationalen Wettbewerb zu kämpfen · gleichzeitig als Funktionär Brancheninteressen zu vertreten, schaffen nur wenige.


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Das Lob kam zu Recht · den teilnehmenden Hoteliers, Funktionären und Branchenzulieferern wurde zweifellos viel geboten: Banker lieferten Fakten, Unternehmensberater skizzierten Strategien,

KollegInnen trugen Erfahrungsberichte bei, internationale GastrednerInnen zeigten auf, wie's anderswo gemacht wird und auch die Stimmen aus Politik und Gewerkschaft fehlten nicht.

Dass die Verbindung Unternehmer-Funktionär keine einfache Sache ist, macht etwa die Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), ÖHV-Präsidiumsmitglied und Chefin renommierter heimischer

Häuser wie dem "Sacher" in Wien oder dem "Österreichischen Hof" in Salzburg, Elisabeth Gürtler, klar. Als neue Opernball-Organisatorin mit großen Plänen hat sie sich noch mehr Arbeit

aufgeladen, obwohl sie mit ihren Betrieben "eigentlich schon genug zu tun" hätte. Den Dauerspagat zwischen Unternehmer-Dasein und Multi-Funktionärsarbeit schafft sie überzeugend und souverän.

Dass es den meisten Hoteliers offenbar nicht attraktiv oder machbar erscheint, in der eigenen Interessensvertretung aktiv zu werden, wurde bei der anstehenden Neuwahl des ÖHV-Präsidenten deutlich.

Den Statuten entsprechend hätte Peter nach zwei Funktionsperioden nicht mehr kandidieren können. Ein(e) Nachfolger(in) war nicht in Sicht · und so wurden kurzerhand die Statuten geändert, Peter muss

weitere drei Jahre die Anliegen der Tourismuswirtschaft vertreten. Womit niemand unglücklich ist · seine offenen Sprüche, mit denen er viele Probleme auf den Punkt bringt, haben ihn

inzwischen selbst zum rundum anerkannten Markenzeichen der Branche werden lassen. Wenn's ihn gar zu sehr ärgert, dann knurrt er schon einmal über "depperte Landespolitiker" oder "praxisferne

Gesetze", die der Fremdenverkehrswirtschaft einen "Balanceakt am Rande der Legalität" aufzwingen.

Der einstige Mandatar des Liberalen Forums kennt die Mühen des politischen Engagements ebenso, wie den Unternehmerkampf im Umfeld anspruchsvollerer Gäste, zu schlecht bezahlter und gleichzeitig via

Lohnkosten zu teurer MitarbeiterInnen, billiger "All-inclusive"-Lockrufe, drückender Schulden aus überlebens-notwendigen Investitionen.

Was bleibt, ist, entweder als Einzelkämpfer langsam zu "sterben" oder weiter zu machen, so Peter. Sein Weg: Mit neuen Ideen, professionellen Kooperations-, Marketing- und Vertriebsformen den "Global

Players" selbst zu schaffende Größe entgegen setzen.