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In der kalten Jahreszeit gehören sie zu Wien wie die Christkindlmärkte und die Maronibrater: Die Eislaufplätze laden seit Ende Oktober wieder zum Herumkurven ein - und zum Flirten.
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Es ist ein sonniger Sonntagnachmittag Anfang November. Drinnen in der Albert-Schultz-Eishalle in Kagran merkt man aber nichts vom lauen Herbstwetter. Den Dutzenden Jugendlichen, die an der Bande lehnen, ist die Sonne auch egal. Sie warten vielmehr ungeduldig darauf, dass die Eismaschine endlich ihre Runden beendet und sie wieder aufs Eis dürfen. "Der Besuch ist bis jetzt sehr gut", meint die Dame an der Kassa. Vor allem die Eis-Disco ziehe besonders viele junge Besucher an, so auch beim Gegenstück zur Schultz-Halle, dem Eisring Süd an der Favoritner Windtenstraße - der eigentlich seinem Namen nicht mehr wirklich gerecht wird, weil die einstige 400-Meter-Ringbahn längst kaputt und nicht mehr in Betrieb ist. Geblieben sind eine 60 mal 30 Meter große Halle und ein ebenso großes Eisfeld im Freien. So wie die Albert-Schultz-Halle, die Halle C der Wiener Stadthalle und der Wiener Eistraum steht die Eissportanlage Windtenstraße im Eigentum der Stadt Wien.
Daneben gibt es aber auch einige private Eisplätze. Der älteste darunter ist der Wiener Eislaufverein an der Lothringerstraße im 3. Bezirk. "Es ist die bereits 141. Saison unseres Vereins - die Anlage hier ist mehr als 90 Jahre alt", berichtet Generalsekretär Farzam Rossoukhi, der den Wienern zwar eine große Liebe zum Eislaufen attestiert, gleichzeitig aber auch weiß, "dass sie am liebsten gar nichts zahlen wollen. Eine Tages-Skiliftkarte kaufen sich die Leute um 25 Euro, aber 7 Euro für einen Tag auf dem Eis sind ihnen zu viel". Und so wäre der Betrieb allein durch die Einnahmen nicht finanzierbar, weshalb es für größere Ausgaben Subventionen durch die Stadt Wien gibt. Zudem hat der Wiener Eislaufverein eine weitere Einnahmequelle gefunden: Im heurigen Sommer wurde der Platz erstmals an die Betreiber des Sandskulpturenparks "Sand in the City" vermietet, der sich als voller Erfolg erwiesen hat. Und auf dem Eislaufplatz selbst hat sich das Eishockey-Schnuppertraining mit den Vienna Young Tigers (jeden Samstag 15 bis 16 Uhr) zu einem Publikumsmagneten entwickelt.
Hoher Flirtfaktor. Aber auch abseits von Bandenchecks, Bullys und Penaltys ist Eislaufen mehr als bloßes Rundendrehen auf gefrorenem Wasser. Abgesehen von der gesunden Bewegung an der (mehr oder weniger) frischen Luft hat kaum eine andere Sportart einen dermaßen hohen Flirtfaktor. Bei Disco-Musik kommt man einander auf und neben dem Eis näher; wer sich auf zwei schmalen Kufen unsicher fühlt, hat den idealen Vorwand zum Händchenhalten; und was ist romantischer, als sich zwischendurch bei einem heißen Punsch in der Kälte aneinander zu schmiegen?! Unzählige Herzen sollen auf den heimischen Eislaufplätzen schon gebrochen worden sein.
Dass neben dem emotionalen Eis zwischen den Besuchern auch jenes unter ihren Füßen schmelzen könnte, davor bangt den Platzwarten am meisten. "Es darf nicht zu warm sein, am besten sind ein paar Grad über Null", meint Hans Gunsam, der ehrenamtliche Präsident des altehrwürdigen Cottage Engelmann Vereins in Wien-Hernals. Er kümmert sich seit Jahrzehnten um die älteste Freiluft-Kunsteisbahn der Welt, die am 9. November 2009 ihr 100-jähriges Bestehen feiern wird. Und Gunsams größter Feind ist der Wind. "Der weht nämlich die dünne Schicht weg, die sich auf dem Eis bildet und es vor den Sonnenstrahlen schützt."
Heuer sieht es - so wie im vergangenen Winter - mit den heimischen Natureislaufplätzen eher trist aus. Theoretisch könnten die Wiener an vier Standorten im 19. und 22. Bezirk mit Geheimtipp-Faktor kostenlos übers Eis schlittern - sofern die Eisschicht dick genug ist. Bei den Kunsteisbahnen wird mit Glykol oder Ammoniak nachgeholfen, wobei man sich allerdings zumindest in der Albert-Schultz-Halle die Sinnfrage stellt. Die vor drei Jahren eröffnete Außenanlage namens "Donaustädter Eiswelt" ist nämlich auch beim schönsten Wetter schwächer besucht als die beheizte Halle. Vielleicht liegt das daran, dass Skihose, Haube und Handschuhe vor allem beim Nachwuchs längst passé sind. Und so tollen zwischen Mädchen in Jeans und teils sogar bauchfreien Shirts Burschen in Markenpullis frech über das Eis - und schrecken mit ihren riskanten Manövern jene älteren Semester, die einfach nur gemütlich ihre Runden drehen wollen. Davon unbeeindruckt drehen in der Mitte einige junge Eistanztalente Pirouetten.
Seniorentänzer und Kindergruppen. Und dann gibt es natürlich die Stammgäste, vornehmlich Senioren, "die beinahe jeden Tag zum Eistanzen kommen", so Gunsam. Gemeinsam mit den Kindergarten- und Schülergruppen, die massiv durch Ermäßigungen gefördert werden, stellen sie den Hauptanteil derjenigen, die beim Engelmann über den Dächern von Hernals übers Eis gleiten. Mit dem Slogan "Eislaufen über den Dächern Wiens" wirbt auch das Hotel Schloss Wilhelminenberg im 16. Bezirk. Ab 24. November kann man dort in romantischer Atmosphäre täglich bis 21 Uhr, an Wochenenden sogar bis 22 Uhr Eislaufen. Ob die Idee, mit späten Schlusszeiten Nachtschwärmer zu locken, langfristig die Besucherzahlen wieder wachsen lässt, bleibt abzuwarten. "Immerhin haben die Einkaufszentren auch immer länger offen", meint Engelmann-Präsident Gunsam. "Und die sind gemeinsam mit den immer zahlreicheren alternativen Sportangeboten unsere größte Konkurrenz." Wer den Eislaufplätzen auch in Zeiten wie diesen treu bleibt, hat dafür aber zumindest mehr Platz zum Herumkurven und vielleicht auch weniger Konkurrenz beim Flirten unter Gleichgesinnten.
info
KUNSTEISBAHNEN IN WIEN.
"Wiener Eistraum" :
1., Rathausplatz
25. Jänner bis 9. März 2008
Wiener Eislaufverein:
3., Lothringerstraße 22
Tel. 01/713 63 53-0
26. Oktober 2007 bis Mitte März 2008
Eisring Süd:
10., Windtenstraße 2, Tel. 01/604 44 43
20. Oktober 2007 bis 3. März 2008
Wiener Stadthalle, Halle C:
15., Vogelweidplatz 14
Tel.: 01/98 100-0
20. Oktober 2007 bis 9. März 2008
Happy Ice Dance in der Stadthalle:
Klassische Rundtanzabende ab März
Tel. 0664/252 20 08
"Wilhelminenberg on Ice":
16., Savoyenstrasse 2
Tel. 01/485 85 03,
24. November 2007 bis 10. Februar 2008
Kunsteisbahn Engelmann:
17., Syringgasse 6-8,
Tel. 01/405 14 25
26 Oktober 2007 bis 9. März 2008
Albert-Schultz-Eishalle:
22., Attemsgasse 1,
Tel. 01/204 85 80
15. Oktober 2007 bis Mitte März 2008
NATUREISLAUFPLÄTZE IN WIEN.
gratis, nur bei Minusgraden
8., Buchfeldgasse 7A/Schmiedgasse
Info-Tel. 01/408 44 77
19., Osterleitengasse
Info-Tel. 01/368 71 81
21., Neue Donau
(Reichsbrücke bis Brigittenauer Brücke)
22., Emichgasse
Info-Tel. 01/282 63 72 1221
22., Alte Donau** (U6- bis U1-Station)
Telefonische Auskünfte gibt auch das Sportamt unter Tel. 01/4000-84144
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