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Jeder will Energie sparen. Um aber die richtigen Maßnahmen treffen zu können, muss zunächst der Ist-Zustand erfasst werden. Dabei kann auch Privatleuten ein professionelles Energie-Coaching helfen, wie es etwa in der Industrie längst üblich ist. Das "Wiener Journal" hat es ausprobiert.
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Unser Haus ist ja wirklich harmlos, ein Einfamilienhaus am Stadtrand von Wien, 150 Quadratmeter Wohnfläche, Heizung mit Gas, ansonsten die üblichen Stromverbraucher, Licht, Kühlschrank, Gefriertruhe, Waschmaschine. Ernst Primas von der Firma Omtec hat es ja normalerweise mit ganz anderen Kalibern zu tun: Werkshallen, Bankfilialen, Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden. Deren Energieverbrauch misst und dokumentiert Omtec, indem die Zählerdaten gesammelt, über einen Datenlogger an einen Server geschickt und dort aufbereitet werden. Anhand dieser Unterlagen, die auch online zur Verfügung stehen, werden dann Möglichkeiten ausfindig gemacht, den Energieverbrauch dauerhaft zu senken. Und mittlerweile besteht auch für Private die Möglichkeit, ihre Situation analysieren zu lassen.
Ernst Primas kennt die vielen Überraschungen, die eine solche Untersuchung mit sich bringt. Zum Beispiel jene Schule, deren Stromverbrauch in der Ferienzeit kontinuierlich hoch blieb, obwohl niemand im Haus war, weder Lehrer noch Kinder. Bald stellte sich heraus, dass die Firma, die Tiefkühlessen lieferte und gratis die Kühltruhen für die Lagerung zur Verfügung stellte, veraltete Geräte verwendete, die laufend am Stromnetz saugen mussten, um die Kühltemperatur zu halten. Er kennt viele solche Beispiele und hat im Lauf der Jahre einen Blick dafür entwickelt: alte Tiefkühltruhen, deren Aggregate verzweifelt um die vorgegebene Temperatur kämpfen, falsch eingestellte Thermen, die um Mitternacht in leeren Bürogebäuden Höchstleistungen bringen, Lichtreklamen, die von falsch eingestellten Zeituhren dazu verdammt werden, sich gegen strahlenden Sonnenschein zu behaupten. Verglichen damit sollte also unser Haus eine harmlose Aufgabe darstellen, da wir weder Nahrung für hundert Leute bereit halten noch mit Leuchtreklamen auf unsere Existenz hinweisen müssen.
Familienleben.
Am Anfang einer solche Analyse des Energieverbrauchs stehen Verhandlungen mit den Energielieferanten, den Eigentümern der Zähler, die keinesfalls alle gleich reagieren. Während zum Beispiel die niederösterreichische EVN sofort bereit war, den Zugang zu den Zählerdaten der Gasversorgung zu erlauben, war der Stromlieferant um vieles zurückhaltender. Also musste im Zählerkasten beim Gartentor ein Scanner der Firma Omtec installiert werden, der jede Umdrehung der Zählerscheibe registriert und auf diese Art die Stromverbrauchsdaten erfasst. Die Daten beider Geräte sammelt schließlich ein Datenlogger im Zählerkasten, der sie über eine Mobilfunkverbindung weiter an den Server der Firma Omtec meldet.
Danach gehen die Wochen ins Land, während wir weiterleben wie bisher, allerdings ständig beobachtet vom Datenlogger im Zählerkasten, der gewissenhaft alle energiemäßigen Informationen über unser Tun und Treiben aufzeichnet. Der Herbst kommt, die Heizperiode beginnt, zunächst nur einige Tage lang, weil sich dann wieder eine milde Wetterphase einstellt. Auf jeden Fall gibt es bereits eine ganze Menge Daten, als wir uns zur ersten Auswertung im Haus versammeln, dem Audit, bei dem der Verbrauch analysiert und erste Maßnahmen überlegt werden.
Zunächst sind wir überrascht davon, wie präzise sich unser Familienleben in den Datenkurven widerspiegelt, die der Server aufgezeichnet hat. Exakt lässt sich herauslesen, wann ich an den Schreibtisch gegangen bin und den Heizstrahler eingeschaltet habe, weil die Heizung mit einem Kälteeinbruch im Oktober überfordert war. Oder die Nacht, in der meine Frau aufgestanden ist, weil sie zu lange in einem spannenden Buch gelesen hatte, danach nicht einschlafen konnte, im Wohnzimmer Licht eingeschaltet und Tee gekocht hat, um weiter zu lesen. Oder wann wir abends nach Hause gekommen sind und der Herd eingeschaltet wurde. Alles das spiegelt sich in den Aufzeichnungen des Servers auf Viertelstunden genau wider. "Aber diese Daten", wirft Ernst Primas ein, "kann man nur richtig interpretieren, wenn man das Leben der Betroffenen kennt", und spielt damit auf die Diskussion über die Bedeutung des Smart-Metering, der modernen, intelligenten Energiemessung, für die Privatsphäre an.
Aber wir sind ja auch nicht zusammengekommen, um über schlaflose Nächte oder spontane Familientreffen zu diskutieren. Die Auswertung der Server-Daten ergibt zunächst zwei Hinweise, an denen die Analyse ansetzen kann. Einen relativ konstanten Stromverbrauch von 0,3 Kilowatt/h auch in der Nacht, wenn alles schläft, und einen hartnäckigen Verbrauch von Gas, auch in den Perioden, in denen die Heizung noch nicht läuft. Es sieht sogar so aus, als würde der Gasverbrauch nicht wesentlich ansteigen, wenn die Heizung ihren Betrieb aufnimmt. Dazu kommt, dass sich das Obergeschoß nicht sehr erwärmt, auch wenn die Heizung in Betrieb ist, ein Zustand, an den wir uns im Lauf der Jahre gewöhnt haben.
Unter Verdacht.
Aus diesen Hinweisen ergeben sich einige Spuren, denen wir folgen können. Der erste Erfolg stellt sich sehr schnell ein: Bei einer Überprüfung des Heizsystems zeigt sich, dass bei der Leitung ins Obergeschoß einige Ventile falsch eingestellt waren und damit der Kreislauf unterbrochen war. "Die Installateure", sagt Ernst Primas, "sind meistens auf die Therme fixiert. Ihnen kommt es vor allem darauf an, dass die richtig läuft. Mit dem Rest der Anlage beschäftigen sie sich meistens weniger und die Kunden wissen oft nicht wirklich Bescheid." Eine Diagnose, die in unserem Fall ganz eindeutig zutrifft.
Der zweite Verdacht, was den Gasverbrauch betrifft, fällt auf den Warmwasserkessel. Dazu muss ein weiteres Treffen mit dem Installateur vereinbart werden. "Meistens wird die Temperatur für das Warmwasser zu hoch eingestellt", sagt Ernst Primas. "Kein Mensch braucht 80 Grad warmes Wasser im Speicher. Für den Installateur ist aber auch das die einfachere Lösung, weil das Wasser in jedem Fall heiß ist und er sich Reklamationen und Wegzeit erspart. Also wird normalerweise wärmer eingestellt, der Energieverbrauch ist ja nicht sein Thema."
Danach gerät die Tiefkühltruhe unter Verdacht und wir fixieren einen Zeitpunkt, zu dem wir sie probehalber abschalten werden. Da wir auf die Aufzeichnungen des Datenloggers über Internet zugreifen können, können wir selbst überprüfen, wie sich die Abschaltung der Tiefkühltruhe auf den Verbrauch auswirkt und ob es sich rechnet, eine neue anzuschaffen. Dazu gibt es eine Reihe weiterer Maßnahmen: eine Liste mit Leuchtkörpern im Haus und den Leuchtmitteln, mit denen sie betrieben werden, Glühlampen, Energiesparlampen, Halogenleuchten. Bei denjenigen, die besonders lange in Betrieb sind, sollen Leuchtdioden zum Einsatz kommen, die den Stromverbrauch drastisch reduzieren. Alles in allem ergibt eine erste Schätzung der Firma Omtec, dass allein die Stromkosten im Haus auf Jahressicht um 22,26 Prozent gesenkt werden können. Bei den Gaskosten wird es vermutlich um ähnliche Dimensionen gehen. Zehn bis dreißig Prozent der Kosten für Energie können nach den Erfahrungen von Ernst Primas üblicherweise eingespart werden.
Nach dem Audit liegt vor uns eine lange Liste mit weiteren Maßnahmen, die wir setzen können. Neben der Warmwasserzubereitung, dem Gefrierschrank und der teilweisen Umstellung der Beleuchtung auf Leuchtdioden steht dann im Winter eine thermografische Aufnahme des Hauses auf dem Programm, um die Isolierung zu überprüfen. Außerdem soll noch die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage für die Zubereitung von Warmwasser berechnet werden. Alles in allem könnte sich eine Reduktion der jährlichen Energiekosten um beinahe 400 Euro ergeben. Demgegenüber kostet der Einsatz der Firma Omtec mit Datenloggern, Scannern und Internetauswertung 550 Euro. Die zusätzlichen Kosten für das Audit in der Höhe von 600 Euro werden derzeit in Niederösterreich im Rahmen von Fördermaßnahmen von der Landesregierung übernommen. In Wien erhält man Informationen im Wien-Energie-Haus, Mariahilferstraße 63.
Ernst Primas ist davon überzeugt, dass das Energiecoaching auch für Private immer interessanter wird. "Die Stromkosten werden steigen", sagt er. "Atomkraftwerke werden abgeschaltet, Elektroautos kommen in Mode." Die Schlussfolgerung daraus kann durchaus überzeugen, nämlich dass es auch im Privathaushalt nicht mehr genügt, eine gute Therme oder moderne Lichtsysteme einzubauen, sondern dass der effiziente Umgang mit der Technik und der sparsame Umgang mit Ressourcen immer mehr an Bedeutung gewinnt.
Info: www.omtec.at
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