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Hello Kitty und der "Knackwurst-Man"

Von Christina Böck

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Das Kinderbuch an sich hatte zuletzt keine besonders gute Presse. Stichwort politisch korrekte Sprache. Heute hat es wieder keine gute Presse. Aber aus einem weniger kontroversiellen, dafür durchwegs traurigen Grund: Eine der bekanntesten Stimmen der deutschsprachigen Kinderliteratur ist für immer verstummt. Otfried Preußler und sein Räuber Hotzenplotz haben über mehrere Generationen hinweg Kinderleser erfreut. Und nicht nur Kinder. Solch generationenüberspannendes Begeisterungspotenzial kann die Kinderliteratur heute nur selten entfalten. Seltsam, schaffen es doch Filme, etwa von Pixar, sehr wohl, Alt und Jung für sich zu gewinnen.

Freilich gibt es auch heute Kinderphänomene, die Generationen übergreifen. Zweifellos ist Hello Kitty eines davon. Manches kleine Mädchen kann noch kaum andere, real existierende Tiere benennen, weiß aber schon die Katze mit dem rosa Haarband fehlerfrei zu identifizieren. Aber auch bei erwachsenen Frauen ist der Hello-Kitty-Wahn erstaunlicherweise ungebrochen - das Franchise sorgt am Accessoirebereich für unendlichen Nachschub. Nun hat sich ein Betreiber eines Shops in Wien eine kuriose Vermarktungsidee einfallen lassen: Er sucht den ambitioniertesten männlichen Hello-Kitty-Fan. Der Preis ist, nun ja, von ambivalenter Qualität. Der Mann darf/muss in einem hautengen rosa Catsuit mit pinkem Cape in Clubs auftreten. Und heißt dann nicht "Knackwurst-Man", sondern "Kittyman". Hier wird also schon jetzt alles getan, damit man sich gendertechnisch nicht irgendwann auch der Political-Correctness-Diskussion stellen muss.