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Henkels Hoffnung haftet am Klebstoff

Von Claudia Peintner

Wirtschaft
Industrie-Klebstoff ist vielseitig gefragt - auch bei der Wüsten-Rallye Dakar. Foto: Henkel

Wenn weniger Autos gebaut werden, verkauft Henkel weniger Klebstoff. | Hoffnungsmärkte: Alternativenergie und Wärmeschutz. | Wien. Jeder Mensch kommt im Leben mit rund einer Tonne Klebstoff in Berührung, schätzt Peter Gerald, Leiter der Klebstoff-Sparte bei Henkel Central Eastern Europe (CEE). "Und das nicht nur beim Basteln sondern vor allem über Verpackungen, Bücher, im Wohn- oder Baubereich."


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Die Not machte den Düsseldorfer Konsumgüterkonzern im Jahr 1922 erfinderisch. Wegen eines Engpasses an Klebstoff konnte man die hergestellten Waschmittel-Boxen nicht verkleben. Also legten Henkel-Mitarbeiter selbst Hand an der Klebstoff-Herstellung an. Heute steuert die Klebstoff-Sparte mehr als 42 Prozent zum Umsatz des Henkel-Konzerns bei - rund 43 Prozent kommen vom Verkauf von Wasch- und Reinigungsmitteln, fast 14 Prozent von der Kosmetik- und Körperpflege. Mit der Übernahme des ehemaligen Konkurrenten National-Starch im April 2008 - mit 3,17 Millionen Euro der größte Zukauf der 130-jährigen Firmengeschichte - erhoffte sich der Konzern weiteren Aufwind für die Klebstoffsparte.

Autos kleben statt kaufen

Immerhin gilt Klebstoff in vielen Industrien - von der Elektronik- bis zum Metallbereich - als vielversprechendes Bindemittel. "Es ist elastischer und flexibler als etwa Schrauben und verlängert die Lebensdauer der Produkte", begründet Peter Gerald.

Dass sich die Finanzkrise negativ auf den Klebstoff-Absatz auswirken könnte, verneint Gerald - obwohl derzeit rund 13 Prozent des Klebstoffes in die krisengeschüttelte Automobilindustrie fließen und in einem Kraftfahrzeug bis zu 20 Kilogramm Klebstoff stecken. "Wenn keine neuen Autos gebaut werden, wird mehr Geld und somit auch Klebstoff für die Instandhaltung alter Autos aufgebracht", sagt der Klebstoff-Experte. Weiters profitiere Henkel verstärkt von Investitionen in den Bausektor und in alternative Energien: "Über acht Prozent des Klebstoff-Absatzes fließen in den Vollwärmeschutz sowie in Solar- und Windenergieanlagen", berichtet Gerald.

Dass Henkel vier Klebstoffwerke in Europa schließt - wie letzte Woche bekannt wurde - ist laut Gerald kein Ausläufer der Krise. Aufgrund der millionenschweren Akquisition von National-Starch müssten nun Synergien genutzt werden.